Karl-Friedrich Stracke
Ein riskanter Konfrontationskurs

Als Stracke als neuer Chef zu Opel kam, hielt man das Unternehmen schon für saniert. Doch statt neue Modelle zu bauen, muss der Ingenieur nun das Unternehmen sanieren. Die kommenden Wochen werden für ihn zur Feuerprobe.
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FrankfurtEr ist der Buhmann. Im wahrsten Sinne des Wortes. Für Karl-Friedrich Stracke häufen sich die unangenehmen Termine. Vor acht Tagen wurde der Opel-Boss auf einer Betriebsversammlung im Stammwerk Rüsselsheim von Tausenden von Mitarbeitern ausgebuht. Heute tritt er im Beisein der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft vor die Belegschaft in Bochum, die um die Zukunft ihres Standorts fürchtet. Stracke macht sich keine Illusionen: Der Empfang im Werk I unter dem großen, weißen Opel-Schriftzug wird auch nicht gerade freundlich ausfallen.

Die Belegschaft möchte Klarheit über die Zukunft der Werke. Doch der Mann aus Nordhessen, dessen Sprachmelodie nach einer langen Zeit in der US-Zentrale des Mutterkonzerns General Motors sehr amerikanisch klingt, hält sich alle Optionen offen. Er muss den Beschäftigten neue Zugeständnisse abtrotzen - da ist die Angst ein nicht unwillkommener Begleiter.

Unversehens muss der 56-jährige Topmanager, der erst vor gut einem Jahr den Chefsessel im Opel-Vorstandsgebäude am Rüsselsheimer Friedrich-Lutzmann-Ring übernahm, damit eine Rolle spielen, für die er niemals vorgesehen war: die des harten Sanierers. Als Stracke im April 2011 an die Spitze von Opel berufen wurde, glaubte GM noch, der Autobauer sei nach zweijähriger Restrukturierung saniert. Folgerichtig wurde Stracke als Tüftler und Ingenieur geholt, der sich nach dem Briten Nick Reilly bei Opel hauptsächlich um neue Modelle und technische Details kümmern sollte. Ein riesiger Irrtum. Jetzt befindet sich Opel schon wieder mitten im Abstiegskampf - und Stracke sitzt plötzlich zwischen allen Stühlen.

In der Konzernzentrale in Detroit erwarten sie von ihm Härte bei der Durchsetzung neuer Kostensenkungen, auch wenn das Konflikt bedeutet. "Wir dürfen GM nicht mehr auf der Tasche liegen", betet Stracke der Belegschaft darum ständig vor. "Wir müssen schnell profitabel werden." Und dafür denkt er auch über das lange Undenkbare nach: erneute Werksschließungen in Europa.

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Sanierung gegen die Mitarbeiter

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  • Ach Herr Herz die dt. Presse spekuliert doch nur über Werksschließungen. Sie legen GM Opel doch nur alles in den Mund , streuen Unsicherheiten und bauen GM als Sündenbock auf. Mit ihrer widerlichen Hetze gegen GM gewinnt VW bestimmt keine Marktanteile dazu. Für wie blöd halten sie eigentlich die Leser.

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