Karl-Gerhard Eick
Der Ausputzer

Erst durfte er als Finanzchef den Schuldenberg abbauen. In diesen Tagen soll Karl-Gerhard Eick nun als kommissarischer Personalvorstand die Neuorganisation der Telekom stemmen - gegen den Widerstand der Gewerkschaft.

DÜSSELDORF. Bei Präsentationen der Deutschen Telekom hatte er bisher den sperrigsten Part: Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick redete dann über "Medium-Term-Notes", über "Step-up-Bonds" und "Non-Cash-Ertragsteuergutschriften". Das mag unsexy und unverständlich klingen, aber Eick hatte sich dran gewöhnt. Und es waren keine emotionalen Themen, da flossen keine Tränen. Seit Anfang des Jahres ist das anders, seither musste Eick sein Vokabular gehörig umstellen, nun sind seine Worte verständlicher geworden - aber auch persönlicher: Jetzt geht es um Hungerlöhne, Streik und Kündigungsschutz. Und damit um viel Ärger mit der Gewerkschaft.

Eick (52) ist seit Anfang des Jahres nicht mehr nur Finanzvorstand und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, sondern auch ihr Personalchef. Und als solcher liefert er sich einen erbitterten Kampf mit der Gewerkschaft Verdi um die geplante Verschiebung von 50 000 Service-Mitarbeitern in neue Einheiten. Der Mann mit den stets akkurat zurückgekämmten Haaren hat das Amt des Personalchefs kommissarisch übernommen, weil sich der Aufsichtsrat nach dem Ausscheiden des erfahrenen Personalers Heinz Klinkhammer nicht auf die neue Kandidatin für diesen Posten einigen konnte. Eick war laut Vorstands-Organigramm Klinkhammers Vertretung - so einfach war das.

Damit hat der Finanzexperte den heißesten Stuhl geerbt, den die Telekom derzeit zu vergeben hat. Die Arbeitnehmervertreter haben bereits mehrfach zu Warnstreiks aufgerufen und werfen dem Konzern vor, die Service-Mitarbeiter "nahe der Armutsgrenze" beschäftigen zu wollen. In der Tat will die Telekom, dass die Betroffenen für weniger Geld länger arbeiten sollen. Damit will sie ihre Kosten senken und gleichzeitig den Service verbessern.

Heute ist der letzte vereinbarte Termin für Verhandlungen. Bisher verliefen drei Gesprächsrunden ergebnislos. Der Ausgang heute ist nach Einschätzung von Teilnehmern völlig offen.

Ungewohntes Terrain

Für den promovierten Betriebswirt Eick ist die neue Aufgabe ungewohntes Terrain. "Als Zahlenmensch ist man gewohnt, schnell von einem Punkt zum anderen zu kommen. Jetzt habe ich eher das Gefühl, dass die Gespräche nach dem chinesischen Motto laufen: Die schnellste Verbindung zwischen zwei Punkten ist ein Kreis", sagt Eick in kleiner Runde. So ganz kann er aber auch in den Verhandlungen mit der Gewerkschaft nicht von seinen Finanzen lassen. "Es ist schon deutlich wahrnehmbar, dass er sich bestens mit Zahlen auskennt", sagt ein Verdi-Mitglied. "Er hantiert viel mit Kosten, Lohnvergleichen und Sparplänen." Keimfrei mathematisch verlaufen die Gespräche aber nicht. "Das ist kein Chorknabentreffen - da geht es richtig zur Sache", sagt ein Gesprächsteilnehmer.

In seiner neuen Rolle gibt sich Eick indes bescheiden: "Die Doppelbelastung funktioniert nur, weil ich ein gutes Team von Bereichsleitern habe, die sehr autonom arbeiten und erst zu mir kommen, wenn eine Sache zu eskalieren droht", sagte er vor einigen Wochen. Auch von Verdi ist zu hören, dass Eicks Mitarbeiter "einen gewaltigen Einfluss" besäßen.

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