Karl-Gerhard Eick
Her mit dem Sanierungsfall

Karl-Gerhard Eick, Ex-Arcandor-Chef, präsentierte sich auf einer Tagung ungewohnt konservativ. Seine Botschaft zur Krisenprävention: Vorausschauende Manager bereiten sich in guten Zeiten auf den schlimmsten Fall vor. Für ihn persönlich gilt: Lieber heute als morgen würde er den nächsten Sanierungsfall übernehmen
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DÜSSELDORF. Drei Monate in Deckung haben ihm nicht geschadet. Am Donnerstag präsentierte sich Karl-Gerhard Eick, Ex-Arcandor-Chef und langjähriger Telekom-Finanzvorstand, in altbekannter Form. Krisenprävention ist sein Thema vor ausgesuchtem Publikum. Aus dem Mund des Schwaben hört sich selbst die schärfste Krise entspannt an. Trotzdem hat er eine harte Botschaft: Vorausschauende Manager bereiten sich in guten Zeiten auf den schlimmsten Fall vor.

200 Bilanzierungsexperten hatten auf einer Tagung am Donnerstag in Frankfurt Not, dem Schnellredner Eick zu folgen. Wohl auch deshalb ließ der 56-jährige wiederholt seine Zuhörer wissen, bei Arcandor wollte er den Beweis antreten, dass "aus der Insolvenz etwas Neues entstehen kann".

Das ist ihm objektiv gesehen zwar nicht gelungen. Eick dankte nach nur 185 Tagen Arcandor-Dienst ab, Quelle wird inzwischen abgewickelt, Karstadt steht noch auf wackeligen Beinen. Doch den Kopf in den Sand steckt Eick deshalb nicht. Lieber heute als morgen würde er den nächsten Sanierungsfall übernehmen.

Damit ihm - und anderen Managern - so etwas wie die Arcandor-Pleite nicht noch einmal passiert, hat Eick einen Katalog zur Krisenprävention parat. Erstens: Liquididät für 18 Monate sichern, "egal was draußen los ist". Zweitens: Auch in guten Zeiten ein offenes Verhältnis mit den Kreditgebern aufbauen - wenn es brennt, ist es zu spät. Drittens: Eigenkapital, Eigenkapital, Eigenkapital.

Ganz ungewohnt konservativ präsentiert sich damit der frühere Telekom-Cheffinanzer. Und setzt noch eins drauf. Eick fremdelt mit dem Fair Value, also der Zwang zur Bewertung von Unternehmensvermögen zum Marktwert. Ausgerechnet er, der mit der Telekom als einer der ersten Manager internationale Rechnungslegung einführte und sich damit den Launen der angelsächsischen Bilanzierungsstandards aussetzte. Unter seiner Regie musste die Telekom 2002 deshalb die größte Abschreibung eines deutschen Konzerns in der Nachkriegszeit vornehmen. 25 Mrd. Euro Verlust machte die Telekom damals, vor allem wegen Goodwill-Abschreibungen auf die amerikanische Tochter Voicestream. "Leidgeprüft", sagt Eick heute dazu. Das Auditorium nickt zustimmend.

Als Arcandor an 1. September in die Insolvenz ging, war klar: Vorstandschef Eick ist finanziell abgesichert. Sein im März abgeschlossenen Fünfjahresvertrag wird zwar von Arcandor bezahlt, vom Großaktionär Sal. Oppenheim aber im Insolvenzfall garantiert. Was einen Aufstand in der Öffentlichkeit zur Folge hatte, selbst Kanzlerin Angela Merkel nörgelte daran herum. Trotzdem wird der Ex-Arcandor-Chef nicht müde seinen Fallschirm zu verteidigen. "Das war mein Preis", diesen Job zu übernehmen. Dass die Existenz des Konzerns schon lange bedroht war, war dem Finanzmanager natürlich vor Vertragsunterzeichnung nicht entgangen.

Eick empfiehlt sich weiter als Sanierer. "Wir brauchen auch im Insolvenzfall die besten Leute. Und die kosten Geld." Er stünde bereit. Daran lässt er keinen Zweifel.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

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