Karl-Heinz Kalbfell steuert Alfa Romeo und Maserati: Der mit den hohen Drehzahlen

Karl-Heinz Kalbfell steuert Alfa Romeo und Maserati
Der mit den hohen Drehzahlen

Leichtfüßiges, elegantes italienisches Flair zu verbreiten, wird ihm schwerlich gelingen. Als Symbol für starke Motoren und Durchzugskraft taugt der etwas bullige Mann schon besser. Karl-Heinz Kalbfell ist einer dieser Menschen, deren ruhige Stimme wie die trügerische Oberfläche eines inaktiven Geysirs wirkt.

GENF. Darunter ist pure Energie, auch wenn der 55-Jährige gerne mit seinem Alter kokettiert. Er ist der neue starke Mann des italienischen Sportwagen-Duos Alfa Romeo/Maserati. Die Anstecknadeln an seinem dunklen Sakko dokumentieren dies: rechts das Alfa-Romeo-Wappen, links der Dreizack von Maserati.

Kalbfell ist nicht der elegante Strippenzieher im Hintergrund, will er auch nicht sein. Er ist jemand, der die Ärmel hochkrempelt, der Dinge bewegt, der Menschen überzeugt. „Das liegt mir in den Genen, ich brauche hohe Drehzahlen“, sagt er. Jede seiner positiven Eigenschaften wird er in den kommenden Monaten abrufen müssen. Denn die Herausforderung, die vor ihm liegt, ist nichts für Zauderer. Die Marke Alfa Romeo kommt nur auf gut 170 000 Verkäufe im Jahr. Und nun ist er seit zehn Tagen auch Chef der feinen, aber nicht erfolgsverwöhnten Luxus-Sportwagen-Marke Maserati.

Kalbfell will es noch einmal wissen. Dabei schien im Frühjahr des vergangenen Jahres sein Weg zur Rente bereits vorgezeichnet. Der Mittfünfziger rückte an die Spitze des wahrscheinlich nobelsten Vertreters der Automobilindustrie: Rolls-Royce. Nach 27 Jahren in Diensten von BMW, in denen er das Projekt Rolls-Royce ebenso begleitete wie die erfolgreiche Wiedergeburt der Marke Mini, glaubten alle, dass die Führung der englischen Nobelmarke die Krönung der Karriere des gebürtigen Schwaben ist.

Doch Kalbfell hatte andere Pläne. Nach wenigen Monaten gab er den Job Mitte Oktober überraschend ab und wechselte zum notleidenden Fiat-Konzern. „Ich übernahm die Aufgabe nicht, um mir Brot kaufen zu können, sondern es war eine Herzensangelegenheit“, begründet er den Wechsel. Er spricht von einer „fast schon spirituellen Marke Alfa“ und lässt die großen Finger über der Glasplatte des Tisches auf dem Alfa-Stand in Genf tanzen. Ein Ex-Managerkollege bei BMW nennt ihn „einen benzininfizierten Vollblut-Autoenthusiasten“.

Kalbfell folgte dem Ruf des damaligen Fiat-Chefs Herbert Demel nach Turin. Bei Rolls-Royce mit seinen lang gestreckten Modellzyklen war der Handlungsspielraum des Machers begrenzt. Die Marke Alfa reizte ihn deutlich mehr. Und Kalbfell, der es immer wieder geschafft hat, auf den verschiedenen Positionen seiner Karriere als „genau der richtige Mann für diesen Job“ zu gelten, will nun endlich das schaffen, an dem so viele vor ihm gescheitert sind: Alfa Romeo zu einer Premiummarke mit einem überlebensfähigen Volumen zu machen. Auch wenn ihn Demel nun nicht mehr unterstützen kann, nachdem er die Spitze von Fiat Auto nach Meinungsverschiedenheiten mit Konzernchef Sergio Marchionne räumen musste.

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