Karl-Thomas Neumann
Der Conti-Chef sitzt zwischen allen Stühlen

Karl-Thomas Neumann soll den Autozuliefer Continental sicher durch die Autokrise bringen. Dabei werden die entscheidenden Weichen längst nicht mehr bei Conti allein gestellt. Keine Frage: Für Neumann wird der Spitzenposten beim Autozulieferer allmählich zur Zerreißprobe.

HAMBURG. Der Technikfan schätzt Schnelligkeit. Nicht nur am Steuer des silbernen Porsche Carrera mit den Initialen KT im Nummernschild. Karl-Thomas Neumann, seit Anfang September Vorstandschef der Continental AG, ist beruflich wie privat ein Dynamiker. Seine schlanke Statur verdankt der 47-Jährige mit dem Taucher-Chronografen am Handgelenk stetem Training. Gern läuft er durch den Taunus vor seiner Haustür.

In Diensten von Europas zweitgrößtem Autozulieferer ist er dauernd unterwegs. Auf Reisen sieht man ihn mit seinem Alu-Rollkoffer durch die Flughafengänge eilen. „Ihm muss keiner die Hand halten“, sagt ein Vertrauter. Nicht einmal einen Fahrer beschäftigt der Herr über mehr als 146 000 Mitarbeiter.

Dabei trägt Neumann, der seit 100 Tagen an der Conti-Spitze steht, Verantwortung wie kein anderer in der Geschichte des vor 137 Jahren in Hannover gegründeten Unternehmens. Er führt nicht nur den Vorstand, sondern gleich noch die Automotive Group, die 2007 rund 7,3 Milliarden Euro zum Konzernumsatz von 16,6 Milliarden Euro beitrug. Mit Chassis & Safety (u.a. Bremsen, Sensoren), Powertrain (Einspritzpumpen, Getriebe) und Interior (Displays, Instrumente) verantwortet er drei der sechs Conti-Divisionen direkt.

Der Marathon-Mann muss bei heftigem Gegenwind das Unmögliche schaffen: Conti so aufstellen, dass der Zulieferer im Zweifel allein in einer zusammenbrechenden Autowelt überlebensfähig ist, und parallel alles Vertretbare tun, damit der fränkische Großaktionär Schaeffler die Übernahme verdauen kann. Neumanns bisher strategisch wichtigster Schritt war es, den Konzern in eine Autozulieferer- und Gummisparte aufzuteilen.

Doch die entscheidenden Weichen stellt nicht Conti. Die Zukunft der Niedersachsen hängt an Schaefflers Schicksal. Trotz Autokrise machen sich die Chefs von BMW, Daimler und Volkswagen nicht nur um das eigene Geschäft Gedanken, sondern zweifeln immer mehr am Erfolg der Conti-Übernahme durch den hochverschuldeten Großaktionär aus Franken. Schon machen Planspiele die Runde, wie beiden Schlüsselzulieferern in der Not zu helfen wäre.

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