Karriere-Gefahr Internet
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Was immer Bewerber, Arbeitnehmer oder Firmen lieber verschweigen, kommt irgendwann per Google-Suche oder der Recherche bei spezialisierten Branchendiensten heraus. Die Folgen sind enorm – oft ohne dass die Betroffenen verstehen, wieso.

Der Kommunikationsprofi aus Rheinland-Pfalz* bereitete gerade die PR-Strategie für den Börsengang eines Unternehmens vor, da trat plötzlich ein Wettbewerber auf den Plan und wollte ihm den Kunden abjagen. „Der Mann brüstete sich gegenüber der Firma mit besten Kontakten zu allen möglichen Medien und versprach, was gar nicht geht – garantierte Veröffentlichungen. Die Bugwelle war so groß, dass die Firma tatsächlich erwog, den PR-Berater zu wechseln“, erinnert sich der 42-jährige Agenturchef.

So schnell gab der PR-Profi aber nicht klein bei. Und siehe da, eine Internetrecherche mit der Suchmaschine Google reichte, um den Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen. „Ich schaute mir die Kundenliste des PR-Manns auf dessen Webpage an, gab die Namen dieser Unternehmen in Google mit Suchbegriffen wie Staatsanwalt und Strafverfahren ein und wurde in 95 Prozent der Fälle fündig.“ Ergebnis seiner Detektivarbeit im Internet: Die Firmen waren fast alle mit dem Gesetz in Konflikt geraten, hatten ihre Publizitätspflichten nicht erfüllt oder anderweitig gegen das Anlegerschutzgesetz und gegen Mitteilungspflichten verstoßen. Das brisante Recherchematerial legte er seinem Kunden vor – und die Sache war erledigt.

„Das Internet macht Erfolge, aber auch Niederlagen und Ausrutscher von Menschen in null Komma nichts transparent und wird die Art und Weise, wie Geschäftspartner miteinander umgehen, radikal verändern“, erwartet Andreas Lutz, Netzwerkexperte und Berater in München. Noch bevor es zum ersten Kontakt kommt, haben sich Headhunter, Journalisten, potenzielle Arbeitgeber, Auftraggeber, Wettbewerber und künftige Kollegen über Suchmaschinen oder spezialisierte Branchendienste einen Überblick verschafft über die wichtigsten beruflichen Stationen, Jobkontakte, Freizeitaktivitäten – aber eben auch über schlechte Presse oder Anfeindungen in Blogs, den privaten Internet-Tagebüchern. Manche missbrauchen das Internet gar, um Wettbewerber in Verruf zu bringen. So fand ein Unternehmensberater vom Mittelrhein* beim Googeln seinen Namen in Verbindung mit dem Begriff Hausfrauensex. „Ein böswilliger Konkurrent hatte unter meinem Namen einen Eintrag auf der Pornoseite hinterlassen“, vermutet er.

Die Folgen sind enorm – oft ohne dass die Betroffenen verstehen, wieso: Da wird ein Chefcontroller gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch geladen, weil er viele Jahre in einem Unternehmen tätig war, das am Ende Insolvenz anmeldete. Ein Personaler wird abgelehnt, weil er in seiner Freizeit Drachen fliegt und dem potenziellen Arbeitgeber das Risiko langer Ausfallzeiten zu groß ist. Und ein Qualitätsmanager kommt nicht in die engere Auswahl, weil er vor Jahren eine Rückrufaktion zu verantworten hatte.

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