Karriere in Japan
Mit kurzer Hose, aber ohne Gewehr

Wenige Europäer haben in japanischen Firmen etwas zu sagen - Rainer Sauer ist einer davon. Der gebürtige Oberhausener hat es weit gebracht. Er ist Europa-Chef eines japanischen High-Tech-Konzerns. Dabei kann er nicht einmal japanisch.

LONDON. Rainer Sauer hatte den richtigen Riecher. Ausgerechnet den FC Portsmouth wählte er vor zwei Jahren aus, um ins Sport-Sponsoring einzusteigen. Einen Provinzklub, seit 56 Jahren ohne Titel im englischen Fußball. Seit drei Wochen muss sich der Europa-Chef des japanischen Druckerherstellers Oki Data dafür nicht mehr rechtfertigen. Nächstes Jahr wird der Verein als Sieger des FA-Cups das Logo der Firma durch ganz Europa tragen. Das wird auch die Zentrale in Tokio freuen.

Doch Sauer ist keiner, der darüber laut triumphieren würde. 1956 in Oberhausen geboren, strahlt er die bedächtige Ruhe aus, die man gemeinhin den benachbarten Westfalen nachsagt. Er ist einer, der zuhört und seine Worte sorgfältig wählt. Vielleicht sind es gerade diese Qualitäten, die ihn so hoch in der Hierarchie eines japanischen Konzerns geführt hat wie nur wenige europäische Manager.

Sauer ist nicht nur Europa-Chef, er sitzt auch im Vorstand in Tokio. Gezielt darauf hingearbeitet hat er nicht: Sauer spricht nicht einmal Japanisch. Das ist auch nicht nötig, findet er. "Ich habe für deutsche, japanische und amerikanische Unternehmen gearbeitet und festgestellt, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt", sagt Sauer. "Wie man miteinander umgeht, hängt viel mehr von einzelnen Personen ab als von Kulturen."

Sauers erste Stationen nach dem Studium in Bochum sind die Mannesmann-Röhrenwerke. Später zieht es ihn zu BASF, wo er 1993 die Führung des verlustreichen Geschäfts mit Datenspeichern wie Disketten und Magnetbändern übernimmt. Im zweiten Jahr schon schreibt die inzwischen verkaufte Sparte BASF Magnetics wieder schwarze Zahlen.

Die dafür nötige Entschlossenheit und Hartnäckigkeit traut man ihm sofort zu. "Ich lege viel Wert auf gegenseitigen Respekt und verwende viel Zeit darauf, gemeinsam Ziele zu erarbeiten", erklärt er. "Doch wenn jemand die Ziele bei fairer Beurteilung nicht erreicht, dann ziehe ich natürlich auch die Konsequenzen."

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