Karriere
Jackpot vom Kartellamt

Fluxx-Gründer Rainer Jacken ist seit gestern das Feindbild aller Kioske mit Lottoanschluss - und der Liebling der Aktionäre seines Unternehmens.

HAMBURG. Der Mann ist ein Glückspilz. Zumindest seit jener Nacht im Jahr 2001. Spät abends fährt Rainer Jacken von einem Geschäftsessen mit seinem Jaguar auf der Autobahn Richtung Flensburg. Ein Laster streift seinen Wagen, der schnittige Sportwagen schleudert, gerät in die Leitplanken - Totalschaden. Doch der Chef des Kieler Lottospielunternehmens Fluxx, bleibt unverletzt - morgens sitzt er bereits wieder beim Meeting.

Jetzt hat der 48-jährige Firmengründer eine zweite große Chance in seinem Leben bekommen - diesmal beruflich. Überraschend hat gestern das Kartellamt den 16 Lottogesellschaften der Bundesländer untersagt, private Vermittler im Lottogeschäft auszuschließen. Künftig sollen Kunden frei wählen dürfen, ob sie auch Lottoscheine privater Anbieter kaufen.

Der Tag ist für den Fluxx-Chef ein großer Triumph. Ab sofort kann die Kieler Firma Lottoscheine in Supermärkten und Tankstellen anbieten - bislang war dies Fluxx nur per Internet oder Telefon erlaubt. Damit könnte die Gesellschaft einen kräftigen Umsatz- und Ertragsschub bekommen. Anleger haben dies bereits erkannt. Der Aktienkurs steigt kräftig: von knapp über vier Euro Ende vergangener Woche auf zwischenzeitlich über sieben Euro.

Für Marcus Sander, Analyst bei der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim, ist das kein Grund zur dauerhaften Euphorie: "Ich kann mir vorstellen, dass die Provisionssätze für den Online-Vertrieb steigen werden, wenn die Lottogesellschaften in stärkeren Wettbewerb um die Online-Tippscheine treten. Dies dürfte sich dann positiv auf die Margen der privaten Online-Distributoren auswirken." Er warnt: "Die Aktie ist weiterhin volatil. Ich rate deshalb, derzeit nicht einzusteigen. Investoren sollten dem Kurs nicht hinterherlaufen."

Fluxx-Gründer Jacken aber sieht sich vom Kartellamt bestätigt. Seit Jahren kämpft der fast zwei Meter große Mann mit dunklen Haaren und Doppelkinn bereits gegen die Marktmacht der staatlichen Lottogesellschaften - meist ohne Erfolg. Immer wieder versucht er per Gericht das Lottomonopol zu knacken - vergebens. Immer wieder juckt es den gebürtigen Lübecker auch, mit seiner Gesellschaft auf die Cayman Islands auszuwandern, um von dort aus unbehelligt von gesetzlichen Beschränkungen den Glücksspielmarkt aufzumischen.

Doch Jacken bleibt und wehrt sich. Er geht Ende vergangenen Jahres gegen die Lottogesellschaft Niedersachsen vor. Sie hatte quasi über Nacht den Vertrag mit den Kielern kündigt, um Fluxx den Verkauf von Lotteriescheinen an Supermärkten zu verbieten. "Sie haben unsere Lottoscheine nicht angenommen", erzürnt sich Jacken. Doch diese Aktion ruft das Kartellamt auf den Plan, denen bereits seit Jahren das Lottomonopol ein Dorn im Auge ist.

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