Karriere
Ungeklärte Personalie

Antoinette Hunziker verlässt Julius Bär – und geht nicht zur Börse.

ZÜRICH. Die Party ist gelungen, und die Gäste verlassen sie mit dem Eindruck, eines „der größeren Feste in Zürich in diesem Jahr“ erlebt zu haben: Es war die Feier zum 45. Geburtstag von Antoinette Hunziker-Ebneter am Montag Abend.

Einen Tag später gibt die Zürcher Privatbank Julius Bär bekannt, dass die Jubilarin, die dort bisher die Handelssparte geleitet hat, mit dem Jahresende ihren Posten aufgibt.

Offenbar ist der Dame um ihre Zukunft nicht bange. Wo die allerdings liegt – darüber schweigt sie sich aus. Und darüber rätseln Bekannte und Beobachter.

Ursprünglich sollte sie an die Spitze des Verwaltungsrats der Schweizer Börse rücken. Ihr Vorgänger, der an die Deutsche Börse gewechselte Reto Francioni, hatte sie jedenfalls dafür vorgeschlagen. Weil Francioni sich für diese Personalentscheidung aber nicht den Segen aller im Verwaltungsrat geholt hatte, gab es Knatsch, und die Personalie Hunziker wurde auf Eis gelegt. Dort liegt sie offiziell immer noch, wie von der Börse bestätigt wird.

Die Schweizer Börse befindet sich derzeit in einem Prozess der Neuorientierung: Sie spart Mitarbeiter ein und diskutiert mit ihren Eigentümern, unter ihnen vor allem die Schweizer Banken, über die eigene Zukunft. Sie stellt dabei fest, dass einige wichtige Eigentümer, wie etwa Marcel Ospel von der Großbank UBS, gar nicht mehr so sehr an der Zürcher Börse hängen. „Wir brauchen eine Konstruktion, die in der Lage ist, maximale Liquidität bereitzustellen“, sagte Ospel unlängst dem Handelsblatt. Wie die Konstruktion aussehe, sei zweitrangig. Mag sein, dass es sich Hunziker-Ebneter unter solch unsicheren Vorzeichen selbst noch einmal überlegt, den Chefposten anzunehmen. Mit offenen Armen wird sie, die bereits vor ihrem Engagement bei Julius Bär an der operativen Spitze der Börse gestanden hatte, bei ihrem alten Arbeitgeber offenbar nicht empfangen.

Bei Julius Bär geht dagegen alles seinen vorbestimmten Gang. Hunzikers Bereich wird als unabhängige Sparte nicht länger existieren, sondern künftig „Märkte“ heißen, vom 41-jährigen Peter Gerlach geleitet werden und dem Bereich der institutionellen Vermögensverwaltung unterstehen.

Gerlach ist ein Eigengewächs und seit 20 Jahren für die Zürcher Bank unterwegs. Sein Spartenchef heißt nun David Solo, ein ehemaliger UBSler. Die UBS hatte im Sommer mehrere Vermögensverwalter an Julius Bär verkauft und im Gegenzug nicht nur Geld, sondern auch einen Stimmrechtsanteil erhalten. Außerdem wechselten einige ihrer Manager zur Privatbank. Für Hunziker war in der neuen Konstellation kein Platz mehr – zumal die Gewinnbeiträge ihrer Sparte zuletzt nicht sonderlich überzeugten.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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