Karriere
Was bringen Business-Netzwerke wirklich?

Wenn es um Netzwerke geht, denken viele an Xing oder LinkedIn. Doch auch in der analogen Welt gibt es Netzwerke und Clubs für Manager und Fachkräfte. Was diese mitunter elitären Zirkel für die Karriere bringen.
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DüsseldorfOhne Vitamin B geht in vielen Bereichen gar nichts – schon gar nicht, wenn es die große Karriere statt dem Nine-to-five-Job sein soll. Und das gilt nicht erst, seitdem es digitale Karrierenetzwerke wie Xing oder LinkedIn gibt. Theodor Heuss soll einmal gesagt haben, dass in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn das Wort „Zufall mit CV geschrieben“ werde. CV steht für den Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen.

Entsprechend raten Berufsberater, Dozenten und Karrierecoaches ihren Schützlingen rund um den Globus dazu, sich rechtzeitig ein strategisches Netzwerk aufzubauen, von dessen Teilnehmern sie beruflich profitieren können. Und damit ist nicht unbedingt ein großer Facebook-Freundeskreis oder eine lange Liste von Xing-Kontakten gemeint. Denn die wirklich relevanten Tipps und Geschäftspartner kommen nicht per Newsletter ins Haus.

Persönliche Kontakte sind Trumpf – zum Beispiel durch das Business-Netzwerk Young Presidents Organisation, kurz YPO. „Durch YPO habe ich den Gründer und Geschäftsführer von Cuipo in Kalifornien kennen gelernt, mit dem ich nun zusammenarbeite“, sagt Ivan Herjavec, CEO der Dream Universe GmbH, einem Groß- und Einzelhändler von Kleidung, Lederwaren, Accessoires, Sport- und Lifestyleprodukten.

Seit 2007 ist er ein Teil des Business-Netzwerks. YPO ist eines der größten globalen Netzwerke von Entscheidern, in dem mehr als 23.000 Geschäftsführer und Top-Manager in über 125 Ländern miteinander vernetzt sind. In Deutschland hat YPO vier Verbände – YPO Berlin, YPO München, YPO Rhein und YPO Deutschland.

„Ohne YPO hätte ich nicht die Menschen getroffen, die ich getroffen habe und hätte nie das Cuipo-EMEA-Projekt gestartet“, sagt Herjavec. Cuipo ist eine Marke, die sich dem Schutz des Regenwaldes in Panama und Brasilien verpflichtet hat. Das Unternehmen kauft dort Land auf, um es vor Rodung und der allgemeinen Ausbeutung zu bewahren. Finanziert wird das über den Verkauf verschiedener Produkte vom T-Shirt bis zur Sonnenbrille. „Jedes verkaufte Produkt schützt ein Stück Regenwald“, erklärt Herjavec. „Dabei geht es nicht ums Geschäfte machen, sondern darum, etwas Gutes und Nachhaltiges zu tun.“

Er mache natürlich auch Geschäfte mit anderen Mitgliedern des Netzwerkes, aber das sei nicht der Grund, ein Teil von YPO zu sein. „Zuallererst geht es um meine persönliche Entwicklung.“

Ähnlich schätzt der Soziologe Sebastian Gradinger von der Universität Trier die Funktion von analogen Karrierenetzwerken und Service Clubs wie den Rotariern ein. Für seine Dissertation „Service Clubs – zur Institutionalisierung von Solidarität und Sozialkapital“ befragte er mehrere Mitglieder der Rotarier, welche Funktion ihrer Meinung nach das soziale Netzwerk in den Service Clubs erfüllt und ob sie das Netzwerk privat und beruflich nutzen. „Einen persönlichen Nutzen sahen viele im „Freundschaftsprinzip““, heißt es in der Arbeit.

So zitiert er einen Rotarier mit den Worten: „Man trifft sehr schnell auf Gleichgesinnte und ist ohne große Probleme auf einer Basis mit diesen Leuten, die einem bis dato sonst vollkommen fremd waren, und hat dort Möglichkeiten, die andere nicht haben.“ Schließlich handele es sich um ein geschlossenes Netzwerk, zu welchem nicht jeder Zutritt habe.

So sagt auch Geschäftsführer Herjavec, dass seine Familie enorm davon profitiere, Familien rund um den Globus zu treffen, die denselben Lifestyle, denselben Hintergrund und dieselben Interessen haben. Man tausche sich beispielsweise über Sommercamps für die Kinder oder geeignete Universitäten aus.

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  • Eine wichtige Plattform zum Netzwerken sind Berufsverbände. Ich empfehle jedem Berufseinsteiger, sich dort möglichst früh zu engagieren. Das beginnt beim Besuch von Informationsveranstaltungen - schon eine Wortmeldung nach dem Vortrag kann Kontakte bringen.

    Vieles läuft in Berufsverbänden regional und ehrenamtlich. Folglich ist auch jeder willkommen, der etwas tun will. Man muss da nicht gleich mit irgendwelchen Fähigkeiten glänzen. Etwas kontinuierliches, verlässliches Engagement sorgt dafür, dass man irgendwann mit Namen begrüßt wird und offenere Gespräche möglich werden.

    Die ersten 10 Jahre nach dem Studium habe ich hier deutlich profitiert. Dann bin ich mit meinem Geschäftsmodell aber ziemlich weit vom Mainstream weg gedriftet. Heute weiß kaum noch jemand in meinem Umfeld, wie mein Berufsverband überhaupt heißt.

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