Karriere-Wende
Das Comeback des Lars Windhorst

Lars Windhorst steht für vieles, was das Land seit Monaten seinen Bankern vorwirft: Gier, Maßlosigkeit, unmoralisches Handeln. Mit gerade 33 Jahren blickt Helmut Kohls einstiges Wunderkind auf ein halbes Dutzend Pleiten und Strafanzeigen zurück. Dieses Jahr soll seines werden, sagt er. Und es gibt tatsächlich Geschäftsleute, die ihm noch trauen. Warum eigentlich? Eine Spurensuche.
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BERLIN/LONDON. Prachtvolle Kristalllüster fluten den Raum mit warmem Licht. An den Wänden hängt moderne Kunst, opulente, sorgfältig arrangierte Blumengestecke schmücken den Übergang von der Lounge in den Speisesaal. In Schwarz und Weiß gekleidete Bedienstete halten respektvoll Abstand. Es ist Mittagszeit in der Londoner City, und niemand kommt in diesen exklusiven Privatclub, um nur zu essen. Hier werden Geschäfte gemacht, die großen.

An einem Tisch in der Mitte des Saales sitzt ein Mann Mitte 30, den Rücken kerzengerade, sein Anzug: Kiton, dunkelblau, maßgeschneidert; die schwarzen Lederschuhe: handgearbeitet. Lars Windhorst ist mit zwei Männern hier, sie sind gut 15 Jahre älter als er. Der eine, ein graumelierter Koreaner, ist ein reicher Privatier. Der andere entstammt einer südafrikanischen Milliardärsfamilie. Sie reden, sie scherzen miteinander. Es sieht aus, als seien sie seine Freunde.

"Ich könnte der größte Feind von Lars sein", sagt der eine. Sie haben dem jungen Geld anvertraut, so haben sie neun Millionen Euro verloren, fünf Jahre ist das her. Und vor gut einem Jahr hat der Junge ihre gemeinsame Firma in die Pleite geführt. Sie haben ihn danach zu ihrem Partner gemacht.

Fast unbemerkt hat Windhorst im vergangenen Jahr einige seiner größten Deals gemacht. Er hat Firmen wieder auf Kurs gebracht, sogar einem Dax-Konzern aus der Patsche geholfen. Und dieses Jahr, sagt er, soll seines werden. Er hat Milliarden-Geschäfte im Auge. Es ist eines der großen Rätsel, wie das möglich ist. Warum die zwei Männer in dem Londoner Restaurant mit viel Geld, viel Einfluss und sehr guten Anwälten den jungen Deutschen nicht vor ein Gericht zerren, um ihr Geld zurückzubekommen, was in solchen Fällen durchaus üblich wäre.

Wenn es in Deutschland ein Gesicht der Krise gäbe, es könnte das von Lars Windhorst sein. Er steht für vieles, was das Land seit Monaten seinen Bankern vorwirft. Gier, Maßlosigkeit, unmoralisches Handeln. Er kann uneinsichtig erscheinen, unbelehrbar. Mit gerade mal 33 Jahren blickt er auf ein halbes Dutzend Pleiten und Strafanzeigen zurück.

"Was wollen die Leute denn?" sagt Windhorst. "Hätte ich mich hinlegen und zusammenrollen sollen?" Die ewige Mäkelei darüber, dass er teure Maßanzüge trägt, an seinem teuren Büro in Berlin mit Blick auf den Reichstag, er versteht das alles nicht. Er arbeitet hart, hat Erfolg, manchmal scheitert er eben. So sieht er die Dinge.

Die Frage ist, wie es ihm gelingt, nach jedem krachenden Scheitern wieder Menschen davon zu überzeugen, dass er aus ihrem vielen Geld viel mehr Geld machen wird?

Rob Hersov lächelt. "Das beantworte ich Ihnen gern." Doch er ist zu höflich, um das Geschäftliche vor dem Essen zu besprechen. Erst einmal empfiehlt er den frischen Lachs, "einfach exquisit".

Also, wie, Herr Hersov, kommt ein Milliardärssohn aus Johannesburg mit einem Schulabbrecher aus Ostwestfalen zusammen?

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  • ...das hat System. Wenn er wieder zu Geld gekommen ist machen die den Sack zu. Sonst würden sie leer ausgehen.

  • Soso, diese Leute haben viel Geld mit Windhorst verloren und sind immer noch von ihm begeistert? Wohl vor allem darum, weil sie vom gleichen Schlag sind. Die eine oder andere Abzocke hat halt nicht geklappt, aber im Grunde ist das Geschäftsmodell tragfähig. Gierige [...], die sich von Windhorst und Co. über den Tisch ziehen lassen, wird es immer geben. Auch das Handelsblatt, statt die Dinge beim Namen zu nennen, wirft sich in den Staub vor dem "Charisma" des Herrn W.

    Armselig...

    [+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

  • Was mich an Herrn Windhorst beeindruckt, ist die Nehmer- und Steherqualität.
    Der Artikel macht aber auch deutlich, wie unterschiedlich die Auffassung über das Unternehmertum sind. Einmal Pleitier in Deutschland, immer unfähig. Anders im Ausland, selbst beim "Geldadel".

    Na ja, Deutschland einig Neidland.

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