Karriere
Zwischen Schiff und Schreibtisch

Ernesto Bertarelli verkauft Serono nach Deutschland und entzaubert damit den Mythos um sich selbst.

GENF. So haben ihn bislang nur seine engen Weggefährten gekannt: Ernesto Bertarelli, der Strahlemann, schlägt leise Töne an, als er vom Verkauf seines Unternehmens Serono an den deutschen Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck erzählt. Es sei fast so, als wenn zwei Hälften in seinem Kopf sich stritten: Die rationale Seite wisse, dass der Deal mit Merck eine gute Sache sei. „Die emotionale Hälfte aber registriert Momente der Traurigkeit“, sagt er und macht eine längere Pause als sonst. Verabschiedet sich pünktlich zu seinem 40. Geburtstag da gerade die Galionsfigur der Jungunternehmer?

Bertarelli hat viel Glück gehabt in seinem Leben. Er hat eine attraktive Frau, mit der zusammen er sich bei Nobelanlässen im Smoking mit strahlendem Lächeln ablichten lässt. Er ist Milliardär, wobei er bisher ganz im Sinne wohlverstandener Tradition das ererbte Vermögen vermehrt hat. Er leitet Serono, das größte europäische Biotechnologieunternehmen, besaß es auch mehrheitlich, bevor er es jetzt an die Deutschen verkauft. Und er ist Navigator und Besitzer der „Alinghi“, jener Segeljacht, deren Crew 2003 nach 150 Jahren zum ersten Mal den America’s Cup nach Europa geholt hat – in die meerfreie Schweiz. Die Doppelbegabung – Sportler und Unternehmer – verleitet zu Metaphern: „Bertarelli ist auf Kurs“ lautete lange eine der beliebtesten.

Seit einiger Zeit ist es jedoch mit der Eindeutigkeit der Bildersprache vorbei. Erst trennt sich der Alinghi-Eigner von seinem erfolgreichsten Segler im Streit. Dann gerät sein Unternehmen in schwere See: Serono schreibt im Jahr 2005 einen Verlust. Der kommt zwar nicht unerwartet, verhagelt aber doch die Stimmung. Grund für die roten Zahlen sind unseriöse Verkaufspraktiken von Serono in den USA, die so gar nicht zum Image des Saubermanns Bertarelli passen. Sie sind aufgeflogen und haben Strafen nach sich gezogen. Zu allem Überfluss zeigt der Trend für das wichtigste Serono-Medikament langfristig eher nach unten. Was den Hauptumsatzträger einmal ersetzen soll, ist nicht wirklich abzusehen.

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