Kartendienst Here Spitzenmanager verlässt Nokia

Nokia kommt nicht zur Ruhe: Der Schweizer Manager Michael Halbherr tritt als Chef des Kartendienstes Here zurück. Die offizielle Begründung: Er wolle künftig seine „eigenen unternehmerischen Interessen“ verfolgen.
Update: 20.08.2014 - 11:14 Uhr 1 Kommentar
Kehren die Finnen zu ihrem alten Geschäft zurück? Quelle: Reuters
Das Nokia-Logo

Kehren die Finnen zu ihrem alten Geschäft zurück?

(Foto: Reuters)

BerlinDer Schweizer Manager Michael Halbherr gibt die Führung von Nokias Kartendienst Here auf. Halbherr wolle eigene unternehmerische Interessen außerhalb des Unternehmens verfolgen, teilte Nokia am Mittwoch mit. Der Kartendienst ist nach dem kürzlich abgeschlossenen Verkauf des Handy-Geschäfts an Microsoft das zweite Standbein von Nokia neben der Ausrüstung für Telekommunikationsnetze.

Zur Strategie von Halbherr bei Here gehörte es, verstärkt ins Geschäft mit der Autobranche zu kommen, unter anderem mit hochpräzisen digitalen Karten für künftige selbstfahrende Fahrzeuge. Zum 1. September solle Here-Manager Cliff Fox kommissarisch die Führung bei Here übernehmen, zugleich beginne die Suche nach einem permanenten Nachfolger für Halbherr, kündigte Nokia an.

Halbherr war von 2001 bis 2006 Chef des Software-Entwicklers Gate 5, den dann Nokia kaufte. 2011 zog er in den Vorstand des Konzerns ein und übernahm das Kartengeschäft, in das Nokia auch den 2007 übernommenen Kartenhersteller Navteq integriert hatte.

In dieser Position arbeitete er daran, die Sparte von der Geräteherstellung unabhängiger zu machen. „Nokia kämpft im Krieg der Smartphone-Systeme mit, wir wollen unsere Dienste auf allen Plattformen anbieten. Deswegen müssen wir neutraler dastehen“, sagte er vor einem Jahr im Interview mit Handelsblatt Online. Nach dem Verkauf des Handygeschäfts an Microsoft fasste Nokia das Kartengeschäft in der Tochterfirma Here zusammen, deren Chef Halbherr seit Anfang Mai ist.

Mit Laserstrahlen die Welt vermessen
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Die Vermessung der Welt im Internetzeitalter: Nokia lässt derzeit seine Kameraautos durch deutsche Städte fahren. Auf dem Dach sind zahlreiche Sensoren montiert. Wilfried Ness (am Steuer) gehört zu einem Kartenteam der Nokia-Tochter Here.

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Die Kameras zeigen nach vorne, hinten, links und rechts – sie schießen hochauflösende Bilder. Lasertaster vermessen die Häuserfronten – Lidar nennen Experten diese Technologie, bei der aus vielen kleinen Punkten ein Bild zusammengesetzt wird. Ganz oben...

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... thront ein GPS-Empfänger. Er soll die Position des Fahrzeugs möglichst genau orten. Der gesamte Aufbau kostet mehr als das Auto selbst.

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Den Aufbau montiert Nokia auf einem herkömmlichen Dachgepäckträger, die Kabel laufen von dort ins Innere...

001_04_Blick ins Auto
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... zu einem Computer, der im Fußraum des Beifahrersitzes steht. Dort werden die Daten gespeichert – die Festplatte fasst ein Terabyte, also 1024 Gigabyte. Binnen einer Woche ist sie voll, mit Fotos und Daten.

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Hier geht's lang: Ein Tablet-Computer dient als Navi und Kontrollstation. Der Fahrer kann sich die Routen anzeigen lassen...

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... und die Ergebnisse kontrollieren. Hier Aufnahmen der hochauflösenden Kameras, die in vier Richtungen zeigen.

Zu den wichtigsten Kunden zählen die Autohersteller, die allein im zweiten Quartal 3,3 Millionen Lizenzen erwarben. Auch die Hersteller von Navigationssystemen gehören zu den Abnehmern. Die Nokia-Tochter investiert derzeit massiv in die Technik, um Straßen zentimetergenau zu vermessen. Derzeit sind Hunderte speziell ausgerüstete Fahrzeuge unterwegs, um die Daten zu sammeln – auch in mehreren Dutzend deutschen Städten.

Diese Investitionen machen sich allerdings in der Bilanz bemerkbar. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Here investiere in „langfristige, transformative Wachstumschancen“, betonte der Konzern im Geschäftsbericht. Der Umsatz stagnierte bei 232 Millionen Euro, Gewinn schrieb das Unternehmen nicht.

Korrektur: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass Halbherr Deutscher sei – er stammt aber aus der Schweiz.

  • dpa
  • chk
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1 Kommentar zu "Kartendienst Here: Spitzenmanager verlässt Nokia"

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  • Wer hat diesen Artikel recherchiert?!
    1.) Michael Halbherr ist SCHWEIZER
    2.) GATE5 war NIEMALS ein Kartenhersteller!
    3.) HERE ist ein Zusammenschluß von mehreren Firmen, unter anderen Gate5(Platform, Apps), Navteq(digitale Karten), EarthMine(Vermessungs und Aufzeichnungstechnologie)
    ...

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