Katar
Feine Nase fürs Geschäft

Hamad bin Dschasim hat die Weichen für den ökonomischen Erfolg der Gas-Großmacht Katar gestellt. Mit Macht treibt er die Investitionsoffensive des Emirats voran. Der geplante Einstieg bei Porsche ist nur ein Anfang.

DUBAI. Der Mann mit dem weißen Turban redet in ruhigem Ton, aber die Botschaft ist glasklar. "Das Ergebnis der Gespräche zwischen dem Emirat Katar und dem Sportwagen-Hersteller Porsche wird in zwei Wochen bekanntgegeben", sagt Scheich Hamad bin Dschasim al-Thani. Dabei untermalt er seine Worte mit einer weichen Bewegung der rechten Hand. Der 50-Jährige leitet in dem kleinen Staat am Persischen Golf das Tagesgeschäft in Politik und Wirtschaft: Er ist Premier, Außenminister, Chef des rund 50 Mrd. Dollar schweren Staatsfonds "Qatar Investment Authority" (QIA) und sitzt nebenbei im Vorstand zahlreicher Unternehmen. "Er hat überall seine Finger drin", betont einer, der ihn gut kennt.

Es ist Scheich Hamad, der die Weichen für den ökonomischen Erfolg der Gas-Großmacht Katar gestellt hat. Der Zwergstaat, der weniger als eine Million Einwohner hat, gehört mit einem Durchschnittseinkommen von mehr als 100 000 Dollar pro Einwohner zu den reichsten Ländern der Welt. Ein ehrgeiziges Diversifizierungskonzept soll den Wohlstand für die Zeit nach dem Öl- und Gasboom sichern. Der Emir nickt zwar alle strategisch wichtigen Entscheidungen ab, doch Scheich Hamad, sein Cousin, ist die treibende Kraft für den Aufschwung. Die beiden ziehen nicht nur zu Hause an einem Strang, jeder hat zwischen Cannes und Mougin an der Cote d'Azur eine Villa, sie sind dort Nachbarn.

Ein Einstieg bei Porsche hat sich bereits vor wenigen Monaten angebahnt. Als in Deutschland noch über eine Beteiligung arabischer Investoren bei Opel spekuliert wurde, tuschelte man in der katarischen Hauptstadt Doha bereits über den Autobauer aus Zuffenhausen. "Der Preis ist günstig, und die Marke passt perfekt zum Image der sehr auf ihre Reputation bedachten Kataris", sagt ein hochrangiger Investmentbanker in Dubai. Scheich Hamad arbeitet dabei als diskreter Deal-Maker im Hintergrund. Das Handy stets in Reichweite, lässt sich der "Workaholic" immer wieder über den Machtkampf zwischen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch informieren. Mehr als 25 Prozent der Anteile peile Scheich Hamad inzwischen sogar an, heißt es im Umfeld der fast hermetisch abgeschotteten Investmentgesellschaft QIA.

Doch Katar strebt nicht nur ein Engagement bei Porsche an. "Wir suchen auf breiter Front nach Anlagen in Deutschland", sagt Scheich Hamad. Seit heute ist eine 13-köpfige Delegation aus Doha zunächst in Sachsen unterwegs. Sie gehört zur deutsch-katarischen Arbeitsgruppe, die sich in Zukunft regelmäßig treffen soll. Ihr Auftrag: die Prüfung von Beteiligungen an deutschen Betrieben und von möglichen Ansiedlungen in Katar. Eingefädelt wird der Informationstrip durch die Organisation Germany Trade & Invest, die für das Bundeswirtschaftsministerium den Investitionsstandort Deutschland vermarktet. Die katarische Seite ist durch die QIA, die nationale Handelskammer sowie das Wirtschafts- und Energieministerium vertreten.

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