Kaum Überprüfungen
Mängel im Kampf gegen Geldwäsche

Bankgeschäfte bleiben undurchsichtig, Geldwäscher häufig unentdeckt: Kaum ein Finanzinstitut prüft, womit Kunden ihr Geld verdienen und mit wem sie Geschäfte machen. Konsequenzen daraus könnten sich ab Dezember ergeben - dann greift der Gesetzgeber ein.

sos FRANKFURT. Die deutschen Banken haben immer noch deutliche Lücken beim Aufspüren von Geldwäsche. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Hamburger Unternehmensberatung Steria Mummert. Danach prüft nur jedes zweite Geldinstitut bei der Kontoeröffnung, wo der potenzielle Neukunde seine Geschäfte betreibt und ob die Gelder aus Drogenhandel, Prostitution, Raub, Betrug oder Erpressung stammen. Lediglich jede dritte Bank kontrolliert, mit wem der Neuzugang Geschäfte macht. Und nur jedes siebte Kreditinstitut durchleuchtet den bestehenden Kundenstamm darauf hin, ob über die Konten schmutzige Einnahmen oder Schmiergelder flossen. Experten schätzen, dass weltweit jedes Jahr mehr als eine Bill. Dollar illegales Geld in den legalen Finanzkreislauf eingeschleust wird. Das sind zwischen drei und fünf Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukt.

Versäumnisse im Kampf gegen die Geldwäsche könnten die Institute künftig teuer zu stehen kommen. Ab dem 15. Dezember gelten mit der Dritten EU-Geldwäscherichtlinie verschärfte Gesetze im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, im Oktober wird das Kabinett die Umsetzung in nationales Recht verabschieden. "Bisher ist der Verstoß gegen die Richtlinien nur eine Ordnungswidrigkeit und kostet maximal hunderttausend Euro Strafe", sagt Studienautor Bernd Michael Lindner. "Ich rechne aber damit, dass es mit der Umsetzung in nationales Recht deutlich teurer wird."

Kern der neuen EU-Regeln ist die Identifizierung sogenannter ausländischer Politically Exposed Persons (PEP) und der tatsächlichen wirtschaftlichen Eigner von Unternehmen. Zu PEPs zählen oberste Richter, Staatschefs, Botschafter, Minister, Zentralbankvorstände, Chefs von Staatsunternehmen und hochrangige Militärs. Eine Kontrolle nach dem Gießkannenprinzip funktioniere dabei nicht, so Lindner. "Die Banken brauchen jetzt Risikomanager in ihren Complianceabteilungen, die die Kunden in entsprechende Risikoklassen einteilen." Doch daran hapere es immer noch. Von den 34 befragten Instituten verknüpften nur 14 die Daten von Kunden, Transaktionen und genutzten Produkten zur Risikoeinschätzung.

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