Kaum Unternehmensfremde
Dax-Firmen suchen neue Chefs intern

Wer Vorstandschef eines Dax-30-Unternehmens werden will, sollte ausreichend Stallgeruch haben: 22-mal hat es bei den großen Börsenkonzernen seit dem Jahr 2000 einen Chefwechsel gegeben – nur in drei Fällen wurde ein unternehmensfremder Manager an die Spitze gehievt.

DÜSSELDORF. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Münchener Personalberatung Lachner Aden Beyer (LAB).

Hingegen setzen die im MDax notierten mittelgroßen Konzerne stärker auf frischen Wind. 28 der 50 MDax-Firmen wechselten im selben Zeitraum den Vorstandsvorsitzenden aus. Immerhin in elf Fällen kam der Nachfolger nicht aus den eigenen Reihen. „MDax-Unternehmen sind offenbar etwas mutiger, was die Besetzung von Toppositionen angeht“, bewertet Peter Lachner, geschäftsführender Gesellschafter der Personalberatung, die Ergebnisse.

Zudem hätten Firmen aus dem mittleren Börsensegment den Dax-Konzernen in Sachen guter Corporate Governance einiges voraus, ergänzt Lachner. Denn nur fünf der 28 ausgeschiedenen MDax-Vorstandschefs wechselten anschließend auf den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden im eigenen Unternehmen.

Bei den Dax-Konzernen zeigt sich ein anderes Bild: In 16 von 22 Fällen gingen ausscheidende Vorstandsvorsitzende anschließend in den Aufsichtsrat des eigenen Unternehmens, in zwölf Fällen übernahmen sie sogar den Vorsitz des Kontrollgremiums.

Diese Praxis wird seit Jahren heftig diskutiert, auch Lachner sieht es kritisch: „Dass ein Aufsichtsratsvorsitzender sein früheres Wirken als CEO infrage stellt und eigene Maßnahmen revidiert, ist unwahrscheinlich.“ Der deutsche Corporate-Governance-Kodex legt sich in dieser Frage nicht fest und empfiehlt vage, dass der Wechsel von bisherigen Vorstandsmitgliedern in den Aufsichtsrat nicht die Regel sein soll.

Interessante Ergebnisse liefert die Untersuchung von LAB auch in Bezug auf Qualifikation und Zusammensetzung der Vorstände. Dabei zeigt sich, dass die Vorstände nach wie vor männerdominiert sind und zumindest bei den Dax-Unternehmen meist Ingenieure oder Techniker an der Spitze stehen. Dies ist in 15 Dax-Konzernen der Fall. Fünf der 30 Chefs aus dem Dax sind ausgebildete Betriebs- oder Volkswirte, sechs sind Juristen, vier haben eine Lehre abgeschlossen und nicht studiert. Bei den MDax-Firmen sind annähernd die Hälfte der Chefs Betriebs- oder Volkswirte.

Frauen sind im Topmanagement der Börsenunternehmen weiterhin kaum vertreten: 419 Vorstandsposten gibt es derzeit insgesamt, gerade mal fünf sind mit Managerinnen besetzt. In den Top-Etagen der 30 Dax-Firmen findet sich nur eine Frau: Bettina von Oesterreich, Vorstandsmitglied von Hypo Real Estate.

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