Kein Büro, keine Visitenkarte, aber ein Telefonbuch: Dank der Gründer von Alliance schmücken sich Unternehmen mit dem Glanz von Hollywood
Die Star-Jongleure

In Hollywood macht eine neue Branche von sich reden. Es handelt sich um sogenannte Wrangler. Diese verpflichten Filmstars zu Auftritten bei Veranstaltungen ihrer Kunden, zum Beispiel Sony. Die Könige dieser neuen Branche sind Joshua Richman, Shane Powers und ihr Partner Hartwell mit ihrer Firma Alliance.

LOS ANGELES. A und D sind 30 Sekunden vom Eingang entfernt“, tuschelt Joshua Richman in das Minimikrofon am Ärmel seines Hemdes. Heiß ersehnte Worte für seinen Geschäftspartner Shane Powers. Lautstark bringt er die Fans vor dem Arclight-Theater in Hollywood in Stimmung: „Ladies and Gentlemen, ich präsentiere Ihnen Ashton Kutcher and Demi Moore!“

Die Digitalkameras klicken, die TV-Mikrofone hängen wie reife Kirschen über dem roten Teppich. Hollywood feiert.

Während Kutcher und Freundin Moore Interviews geben und ein paar Autogramme schreiben, reiben sich Richman, Powers und ihr Partner Hartwell (der behauptet, keinen Nachnamen zu besitzen) die Hände. Sie haben für ihren Kunden Sony ein absolutes A-Glamour-Couple zu einer eigentlich unwichtigen Veranstaltung gelockt. Wieder einmal sind die „Star Wrangler“ ihrem Ruf gerecht geworden.

Der Begriff „Wrangler“, stammt aus der Welt der Cowboys. Damals bezeichnete man so Könner, die mit einem Lasso Kühe einfingen. Die Kühe sind heutzutage Oscar-Preisträger.

„Heute ist es nicht mehr wichtig, eine gute Party zu planen, es muss immer gleich das Event des Jahres sein, von dem auch in Monaten noch die ganze Welt spricht“, sagt Ashlee Margolis, die einen Job in einer PR-Firma aufgab, um sich selbst als Wrangler zu versuchen.

Die Könige der neuen Branche sind Richman, Powers und Hartwell mit ihrer Firma Alliance. Sie sind eine Art Hybrid aus Marketing-Manager und Event-Planer. Das Trio besitzt kein Büro, keine Assistenten, nicht einmal eine Visitenkarte. „Aber wir haben ein Telefonbuch, nach dem sich die ganze Entertainment-Welt die Finger leckt“, sagt Richman und grinst wie ein Spitzbube, der gerade einen neuen Streich plant.

Denn in diesem Büchlein stehen Namen von Leuten, die jedes Unternehmen gern auf seiner Firmenparty sehen würde. Nicht irgendwelche B-Promis. Nein, die ganz Großen. Die Schwergewichte. Leute wie George Clooney oder Tom Cruise, Julia Roberts und Keanu Reeves.

Und wenn die einen Anruf von Alliance bekommen, hören sie zu. Wir „garantieren A-Liste“, sagt Powers. Er und seine Mit-Allianzler müssen nicht erst die Barrikaden der unzähligen Manager und Publizisten überwinden: „Ich habe die Handynummer von Keanu“, erzählt der 34-jährige Richman. Seinen Blackberry bedient er im Gespräch so schnell, dass eine diplomierte Stenotypistin vor Begeisterung auf die Knie fallen würde.

Begonnen haben die Mittdreißiger in den Zeiten der New Economy, damals gab es viele, die Startkapital für verrückte Ideen bereitstellten. Selbst wenn die, die es bekamen, nicht Nadelstreifenanzug und Krawatte trugen.

Richman zum Beispiel läuft gerne mit gepflegtem Dreitagebart und einem Trikot seines Lieblings-Eishockey-Clubs auf, der Los Angeles Kings. Hartwell dagegen mag karierte Anzüge im 70er-Stil, der äußerst schlanke Powers knotet gern enge Hemden über dem durchtrainierten Bauch zusammen, als liege er am Strand von Florida. Alle drei waren vorher im Marketing tätig – mehr wird nicht verraten.

Doch in Hollywood ist manches anders in Sachen Business. Und mit der Veröffentlichungsparty für Madonnas Album „Music“ schaffte Alliance im September 2000 den Durchbruch. Heute boomt das Geschäft. Konzerne wie Heineken oder Sony verleihen ihren Firmenveranstaltungen dank des Trios den Glanz von Hollywood. „Diese Jungs anzuheuern, um ein Event interessant zu gestalten, ist, als würde ein Hollywood-Studio Julia Roberts für ein Hauptrolle in einem Film gewinnen können, lobt ein Sony-Manager.

Und sogar die Stars sind zufrieden, Ashton Kutcher zum Beispiel: „Ich gehe gerne auf eine Party, die Alliance organisiert. Hier weiß ich, dass ich Leute treffe, mit denen ich mich auch mal ganz nett unterhalten kann.“ Keanu Reeves antwortet auf jede Anfrage seines Bekannten Richman sofort per SMS, Julia Roberts mag die „freundliche und unaufdringliche Art des Trios“, und Robin Williams schätzt den persönlichen Kontakt zu ihnen: „Unprätentiös, ehrlich, direkt“.

Ehrlich? Nun, mit kleinen Tricks muss auch Alliance arbeiten, um die manchmal launischen und mit Sicherheit verwöhnten Filmstars aus ihren Villen in die Öffentlichkeit zu zerren. „Wir haben unsere Kniffs“, sagt Hartwell.

Es ist bekannt, dass viele Stars – vor allem die, die ohnehin schon Millionen an Gage für ihre Filme einheimsen – gerne eine „Appearance Fee“, eine Antrittsgebühr, verlangen, um bei einer Feier aufzutauchen. „Desperate Housewife“ Eva Langoria und Teri Hatcher haben gleich ein lukratives Nebengeschäft aufgezogen: Sie fordern 50 000 Dollar, um für eine Stunde ein paar Cocktails mit dem Gastgeber einer Party zu trinken. Bescheiden – verglichen mit der „Party-Gage“ von Paris Hilton: Angeblich kassiert die Hotelerbin ohne belastenden Schulabschluss 150 000 Dollar für einen Feier-Abend. Das blättern selbst die Allianzler „ungern“ hin.

Nicht immer aber geht es um den schnöden Mammon. Es gibt noch andere Tricks, um japanische Musikmanager bei einem Betriebsausflug nach Los Angeles mit dem Antlitz von Tom Cruise, Will Smith oder Charlize Theron zu beglücken.

So hilft es, wenn man dem Top-Star verspricht, dass ein guter Bekannter von ihm an diesem Abend eine Trophäe erhält. Das lockte zum Beispiel Tom Cruise zu den Young Hollywood Awards. Sein Freund und Regisseur Cameron Crowe sollte mit einem „Vorbild-Preis“ ausgezeichnet werden. „Cruise erklärte sich sofort bereit, die Ehrung vorzunehmen“, erinnert sich Richman.

Auch das Liebesleben ist wichtig: Als die Alliance eine Party für den Aaliyah Memorial Fund organisierte, half es, dass im Gastgeberkomitee Stuart Townsend saß, der Verlobte von Oscar-Siegerin Charlize Theron. Liebe muss aber nicht immer im Spiel sein, es reichen meist die „guten Freunde der Stars“. Soll Nicole Kidman erscheinen, hilft es, ihre beste Freundin Naomi Watts einzuladen. Um sicher zu gehen, dass Watts kommt, wird die Stylistin der australischen Schauspielerin mit auf die Gästeliste gesetzt: „Taktik ist alles in diesem Geschäft“, sagt Hartwell.

Und trotz irrsinnig dotierter Filmverträge: Geschenke erhalten die Party-Willigkeit. Das 300-Dollar-Luxuskinkerlitzchen-Set aber reizt selbst Kinderstars wie Dakota Fanning nicht mehr. Dann lieber ein neues Motorrad, eine 20 000-Dollar-Rolex, ein Auto. Dann klappt’s auch mit Halle Berry und Tara Reid.

Was aber, wenn der rote Teppich leer bleibt? Wenn die Prominenz trotz Zusage einfach nicht kommt? Richman lächelt: „Zuerst betest du, dann bettelst du.“ Heißt: in allerletzter Minute die Ersatzbank anfordern. Und auf der haben die Wrangler immer Kandidaten geparkt.

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