„Kein Diesel ohne Filter“
Feinstaubaufwirbler

Jürgen Resch ist Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe und Feindbild Nummer eins der Autoindustrie. Er hat als Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe die schlagkräftigste Öko-Lobby der Republik aufgebaut.

BONN. Die Geschichte beginnt mit toten Vögeln. Mäusebussarden, genauer gesagt, die es massenhaft dahinrafft, Anfang der 80er in den Obstplantagen rund um den Bodensee, verendet am Pflanzengift Endrin. Mit einem großen Müllsack sammelt ein langhaariger Zivildienstleistender namens Jürgen Resch ihre Kadaver ein – und präsentiert sie der Öffentlichkeit.

Auf der Expertensitzung der biologischen Bundesanstalt, der Zulassungsstelle für Pflanzenschutzmittel, legt er jedem Gutachter einen gefrorenen Mäusebussard auf den Tisch, daneben eine Flasche Endrin. „Die reichte, um 300 Leute umzubringen“, erinnert sich Resch. Das wirkte: Kurze Zeit später war Endrin verboten – und Resch hatte seine Lebensaufgabe gefunden.

Den Parka und die langen Haare hat er abgelegt, heute trägt er Jackett und Krawatte über der dunklen Jeans. Und was früher das Pflanzengift war, sind heute Dosenpfand und Feinstaub. Resch hat als Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe die schlagkräftigste Öko-Lobby der Republik aufgebaut.

„Kein Diesel ohne Filter“ heißt seine Kampagne, mit der er der deutschen Autoindustrie die wohl schwerste PR-Schlappe seit Jahren bereitete. Mag der Diesel auch nur ein Bruchteil zur Feinstaubbelastung in Deutschland beitragen – die Autoindustrie steht in diesem Frühjahr am Pranger der Öffentlichkeit. Versuchten Bürgermeister, das Problem auszusitzen, präsentierte Resch gleich am ersten Tag der Grenzwertüberschreitung klagewillige Studenten. Tobte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement über die „Feinstaubhysterie“ der deutschen Umwelthilfe, konterte Resch kühl mit dem Hinweis auf geltendes EU-Recht, das der deutsche Staat seinen Bürgern vorenthalte.

Resch ist Schwabe: stahlblaue Augen, flinker Schritt, schnelles Argument, gewinnendes Lächeln im rechten Moment. Die Mechanismen der öffentlichen Einflussnahme kennt er genau. Während des Studiums der Verwaltungswissenschaften wird er Kampagnenleiter des BUND. Nebenbei arbeitet er für eine Werbeagentur in Frankfurt. In Brüssel lernt er als Mitarbeiter der EU-Kommission die Macht der europäischen Gesetzgebung kennen. Wenig später tritt er in die damals noch unscheinbare Deutsche Umwelthilfe ein, wird Geschäftsführer und baut den Verein nach seinen Vorstellungen um. Heute arbeiten 50 hauptamtliche Mitarbeiter für die Organisation. Ihr Ziel laut Satzung: Förderung einer umweltverträglichen Wirtschaftspolitik.

„Wir sind Lobby, wir sind Partei, und wir schließen Zweckbündnisse“, sagt Resch. Nicht immer lag er mit den Autokonzernen über Kreuz. So darf die Umwelthilfe bis heute eine Seite im Daimler-Chrysler-Umweltbericht unzensiert veröffentlichen. Bei der Einführung des schwefelfreien Benzins in Deutschland hat Resch mit der Autoindustrie erfolgreich an einem Strang gezogen – zu Lasten der Mineralölwirtschaft.

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