Keine Vertragsverlängerung bei Siemens
Klaus Kleinfeld gibt auf

In der Siemens-Krise gibt Vorstandschef Klaus Kleinfeld den Kampf gegen den Aufsichtsrat auf und verlässt den Konzern spätestens im Herbst. Für den Marathonläufer wurde das Amt an der Spitze des Industrieriesen damit zum Kurzstreckenlauf.

HB MÜNCHEN. Nach erbittertem Streit mit dem Aufsichtsrat über seine Zukunft will der 49-Jährige künftig nicht mehr Siemens-Chef sein. Für eine Verlängerung seines Ende September auslaufenden Vertrages stehe er nicht zur Verfügung. Kleinfeld kam einer möglichen Hängepartie zuvor, die ihn geschwächt hätte. „In diesen Zeiten braucht das Unternehmen Klarheit über seine Führung“, begründete er seinen Rückzug.

Im Januar 2005 hatte der von amerikanischer Firmenkultur geprägte Manager die Nachfolge des leutseligen, abwägenden Heinrich von Pierer angetreten und ein schweres Erbe übernommen. Auch Pierer hatte den Beschäftigen harte Einschnitte zugemutet. Doch die Radikalität, mit der sich Kleinfeld an den Umbau des riesigen Traditionskonzerns machte, war beispiellos in der 160-jährigen Firmengeschichte.

Nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt verkaufte er die defizitäre Handysparte an BenQ aus Taiwan. Ein Jahr später schickten die Asiaten ihr deutsches Mobiltelefongeschäft mit 3000 Mitarbeiten in die Insolvenz. Weil ihm nach eigenen Angaben die „aktive Portfoliopolitik“ am meisten Spaß bereitet, formte er den Konzern eilig weiter um: Teile der IT-Sparte SBS verlagerte er in das Gemeinschaftsunternehmen Fujitsu Siemens Computers, der Rest der Belegschaft von SBS muss nach harten Verhandlungen mit der Gewerkschaft länger arbeiten.

Im Sommer vergangenen Jahres kappte er die Wurzeln des Konzerns, indem er den Großteil des Telekommunikationsgeschäfts in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem finnischen Handyhersteller Nokia einbrachte. Seit Januar plant Kleinfeld, einen Teil der Autozuliefersparte VDO an die Börse zu bringen. Ein Komplettverkauf wird alternativ geprüft.

Gleichzeitig ging Kleinfeld mit Milliardenbeträgen vor allem in den USA auf Einkaufstour. Er verleibte der Siemens-Medizintechnik den Labordiagnostik-Spezialisten DPR ein, vom Chemiekonzern Bayer kaufte er dessen in Amerika angesiedeltes Diagnostikgeschäft. Zuletzt erwarb Siemens die US-Industriesoftwarefirma UGS.

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