Kempinski-Chef Martin Kolb
Gelassenheit vor dem Gipfel

Auf seiner Terrasse vor dem Ensemble der klassizistisch strengen weißen Häuser mit Blick auf die Ostsee gerät er ins Schwärmen: „Einen so schönen Arbeitsplatz haben nur wenige.“ Die Aussicht wird Martin H. Kolb, seit März Direktor des Kempinski Grand Hotels Heiligendamm, in nächster Zeit aber kaum genießen können.

HEILIGENDAMM. Wenn die Großen der Welt zum G8-Gipfel (6. bis 8. Juni) zu ihm ins Haus kommen, muss er sogar Bett und Dienstsuite räumen – das Auswärtige Amt hat die noble, traditionsreiche Herberge komplett gemietet.

Jetzt wird es ernst für den 47-jährigen, international erfahrenen Hotelier, dessen Sprache noch die Schweizer Herkunft verrät. Am heutigen Dienstag verlassen die letzten Gäste das Haus, „und am Mittwoch geht die Schranke vor dem Ort herunter“. Dann wird Heiligendamm zum viel beschriebenen Hochsicherheitstrakt. Doch hinter Zaun und Schleusen „wird das Handwerk nicht anders“, sagt Kolb tapfer. Ob man nun der Kanzlerin oder einem Kurgast den Kaffee reiche, sei prinzipiell gleich. „Wir müssen die Leute so behandeln, wie man mit Gästen zu Hause umgeht.“ Das dem Personal zu vermitteln ist derzeit eine seiner Aufgaben – Seelenmassage: Es gebe doch in Erwartung der prominenten Gäste manche Nervosität. Und der Gipfel-Gastgeber gesteht ein, dass auch er sich ein bisschen fühlt wie ein Boxer vor dem Kampf.

Logistisch sieht er sich bestens gerüstet. Küche und Keller sind gut gefüllt. Wenn Gipfel-Gegner vor dem Zaun die Zufahrten blockieren, schert das den Hotelchef nicht. Es wird an nichts fehlen – auch nicht an Mitarbeitern: Die werden wie ihr General-Manager für das G8-Wochenende im Hotel kaserniert.

Bei den Kollegen im schottischen Gleneagles Hotel, die ihr G8-Erlebnis 2005 hatten, holte sich Kolb vor allem einen Rat: „Beim Gipfel ist wenig vorzubereiten, die hohe Weltpolitik kann alles schnell über den Haufen werfen. Wir müssen deshalb vor allem Flexibilität planen.“ Ob nächtliche Konferenz oder intimes Meeting im kleinen Kreis – die dienstbaren Geister müssten jederzeit jeden Wunsch erfüllen können.

Martin Kolb freut sich darauf, „den einen oder anderen Staatspräsidenten begrüßen zu dürfen“. Das gibt dann wieder Erinnerungsfotos. In seinem internationalen Hoteliers-Leben, das ihn von der Schweiz über den Libanon bis nach China führte, hat er mit solchen Bildern schon drei Kisten gefüllt. Sie stehen noch bei der Familie an einem seiner letzten Arbeitsplätze in Dubai.

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