Ken Kutaragi räumt Chefposten
Playstation-Erfinder wird entmachtet

Die missglückte Einführung der Spielekonsole Playstation 3 führt nun bei Sony zu personellen Konsequenzen auf höchster Ebene.

DÜSSELDORF. Der 56-jährige Ken Kutaragi, „Vater der Playstation“ und lange als Kronprinz für die Nachfolge an der Spitze des Gesamtkonzerns gehandelt, muss die operative Führung bei Sony Computer Entertainment (SCE) an Kazuo („Kaz“) Hirai abgeben. Der 45-Jährige ist Chef des amerikanischen Playstation-Geschäfts. Hirai übernimmt die vakante Position des COO, die Kutaragi bislang in Personalunion mit ausgefüllt hatte, und wird gleichzeitig President. Kutaragi wird Chairman.

„Kutaragi wird langfristige Strategien entwickeln und das Unternehmen überwachen. Durch die Einsetzung eines COO ist es möglich, die Last der täglichen Arbeit zu teilen und mehr Tiefe ins Management zu bringen“, sagte eine SCE-Sprecherin. Hirai soll bereits heute die Arbeit in Tokio aufnehmen.

Kutaragi hatte Mitte der 90er-Jahre den Grundstein für den legendären Erfolg der Playstation-Spielekonsolen gelegt, der den damaligen Marktführer Nintendo entmachtete und zeitweise bis zu 50 Prozent zum Sony-Konzerngewinn beisteuerte. Kutaragi gilt als technisch geprägter Visionär und machtbewusster Veteran im Konzern. In seinen 30 Jahren Firmenzugehörigkeit hatte er es immer verstanden, seine Position zu festigen und die Unabhängigkeit der SCE im Konzern zu behaupten.

Das dürfte sich nun ändern. „Die Playstation ist unser wichtigstes Produkt,“ bekräftigte Sony-Konzernchef Howard Stringer gestern. Er will, dass alle Konzernbereiche enger zusammenarbeiten. Der Aufstieg Hirais festigt auch Stringers Position im Unternehmen, das zuletzt durch eine weltweite Rückrufaktion brandgefährdeter Laptop-Akkus für Schlagzeilen sorgte. Beide kennen sich aus alten Tagen: Hirai kam im Jahr 1984 zur damaligen CBS/Sony Inc. Damals arbeitete Stringer als Produzent für CBS News.

Kutaragi war mit der Playstation 3 gescheitert, weil er technische Probleme mit der Videotechnik „Blu-Ray“ nicht in den Griff bekommen hatte. Der Starttermin musste verschoben werden. Zum Schluss standen dann trotzdem nicht genug Konsolen zur Verfügung. Und schon vor dem Start in Japan musste Kutaragi den Preis des neuen Produkts um 20 Prozent senken.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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