Ken Morrison hat mit seinen Supermärkten den größeren Rivalen Safeway geschluckt
Angriff des Yorkshire-Terriers

Über die Hecken und Weiden von Yorkshire weht oft ein rauer Wind. Ken Morrison sei wie seine Heimat, sagen Kollegen. Sein Charme sei so herb wie das Klima, und bei seinen Auftritten gebe er sich oft so wortkarg wie viele Menschen in der ländlichen Region im Nordosten Englands.

LONDON. Und so fühlt sich der 72-Jährige, der in den vergangenen 50 Jahren ei-ne kleine Ladenkette namens WM Morrison zur fünftgrößten Supermarktgruppe Großbritanniens gemacht hat, in den Glitzerbauten der Londoner Banken sichtbar unwohl. So auch an diesem Januarmorgen, obwohl er als Sieger gen Süden gekommen ist. Morrison wird der Londoner City den größten Coup seiner Karriere präsentieren – die Übernahme des dreimal größeren Rivalen Safeway.

Die Schlagzeilen gehören ihm. Doch von Jubel keine Spur. Die Hände auf dem Rücken fest gefaltet, gibt Morrison mit näselnder Stimme die Einzelheiten der Milliarden-Übernahme bekannt – gerade so, als wenn der Vorsitzende des örtlichen Taubenzüchtervereins den Rechenschaftsbericht verliest. Aufrecht, im dunklen Nadelstreifenanzug, korrekt vom Scheitel bis zur Sohle.

Und immer im Dienst der Firma. Selbst bei seinem ersten Auftritt vor der internationalen Wirtschaftspresse hat er den Schlips in den Firmenfarben Schwarz-Gelb angelegt. Ken Morrison ist eben ein besonderer Manager: Er gehört zu den wenigen Siebzigjährigen, die aktiv einen britischen Konzern führen. Er ist der Chairman im Land, der am längsten an der Spitze eines Top-Börsenunternehmens steht – inzwischen sind es 47 Jahre.

Und er macht so ziemlich alles anders als die Konkurrenz. Online-Handel? Das letzte Mal habe er auf dem Fahrrad Lebensmittel ausgeliefert, schnarrt er abfällig. Kundenkarten? Dass sei nur „Abzockerei“. Globalisierung? WM Morrison setzt auf die Region, nach dem Motto: Yorkshire-Pudding statt Edel-Chorizo. So stammen in seinen Geschäften Milchprodukte, Saisongemüse und Fleischwaren zu 95 Prozent von der heimischen Insel. Um im harten Preiskampf da noch mithalten zu können, hat Morrison sein Unternehmen (119 Märkte) als Art „Do it yourself“-Betrieb ausgebaut. Obst, Gemüse, Fleisch oder Käse – verpackt wird selbst. Die Gruppe stellt dazu eigens eigene Tragetüten her und unterhält einen Schlachthof. Einzigartig in der Branche.

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