Kennenlernen
Blind Date mit dem Kollegen

Kennen sich Mitarbeiter nur flüchtig, hakt das Geschäft. Gerade große und weit verzweigte Betriebe müssen Wege finden, damit sich die Angestellten über Landes- und Abteilungsgrenzen hinweg auf informeller Ebene kennen und vertrauen lernen. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

DÜSSELDORF. Der Gong ertönt. Wie die Bienen schwärmen Hunderte von Vanco-Mitarbeitern im Saal aus. Ihr Ziel: Eine der vielen Nummern, die an den Wänden hängen. Dort treffen sich zwei einander unbekannte Kollegen, stellen sich vor und reden drauf los. Nach zehn Minuten beendet der Gong das Stimmengewirr. Jeder sucht fix die nächste Station auf seinem Zettel. So plaudert die Rezeptionistin aus Singapur mit dem französischen Landeschef, der Programmierer aus Neu-Isenburg mit dem US-Controller. Nach einer Stunde hat jeder sechs Kollegen kennen gelernt. „Es ist ein bisschen wie Kindergeburtstag, alle haben hochrote Köpfe“, erzählt Joachim Trickl, Geschäftsführer von Vanco Deutschland, Spezialist für das virtuelle Vernetzen von Standorten großer Unternehmen.

Das Speed-Networking mit Kollegen – angelehnt ans Speed-Dating mit Stoppuhr – fand erstmals beim Vanco-Firmentreffen vor drei Jahren statt und begeisterte die Mitarbeiter. Ein unterhaltsames Spiel mit ernsthaftem Anlass: Vanco ist in wenigen Jahren rasant gewachsen – von 400 auf 750 Mitarbeiter in 27 Büros weltweit. Trickl: „Wir kommunizieren fast nur per E-Mail und Telefon. Persönliches bleibt oft auf der Strecke. Da gibt es schon mal Reibungsverluste und Missverständnisse.“

Siegfried Schick, Berater für firmeninterne Kommunikation, bestätigt: „Der lockere Kollegenplausch am Rande, sprich: die informelle Kommunikation, ist extrem wichtig für den Geschäftserfolg. Die meisten Manager unterschätzen dies völlig.“ Hinzu kommt: Die Strukturen in Unternehmen ändern sich heute rasend schnell. Kaum noch ein Mitarbeiter kann mental mit den neuen Abläufen und Zuständigkeiten Schritt halten. Schick: „Persönliches Kennen ist unabdingbar, um solche Dysfunktionalitäten im Unternehmen zu überbrücken. Jede Firma braucht ihre kurzen Dienstwege, um schnell und flexibel reagieren zu können.“

Gerade große und weit verzweigte Betriebe müssen Wege finden, damit sich Mitarbeiter über Landes- und Abteilungsgrenzen hinweg auf informeller Ebene kennen und vertrauen lernen. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt: Ein Blind Date mit Kollegen vermittelt zum Beispiel auch British American Tobacco (BAT) in Hamburg. Einmal im Monat können sich unter dem Motto „Meet me blind“ die 600 Mitarbeiter zu zweit in der Kantine oder im Café verabreden. Wer zusammenkommt, entscheidet das Los. Ein Stelldichein unter direkten Kollegen wird aber ausgeschlossen. Karin Schlömer, Leiterin interne Kommunikation, gab den Anstoß für diese Aktion: „Treffen sich Kollegen im Flur oder Fahrstuhl, grüßen sie sich meist nur. Mit der Blind Date-Vermittlung helfen wir als Unternehmen auf angenehme Weise nach, manche Hemmschwelle zu überwinden.“ Mit Erfolg, wie eine Befragung im Hause zeigte. Schlömer: „Gerade neue Mitarbeiter nutzen die monatlichen Blind Dates gerne und oft, um ein persönliches Kontaktnetz zu knüpfen. Dann fällt es viel leichter, später einmal einen Kollegen um Hilfe zu bitten und sein Know-how anzuzapfen.“

Gesichtslose Namen oder namenlose Gesichter zu einem Bild zusammenzufügen – das ist auch das Ziel eines Memory-Spiels der etwas anderen Art. Und das funktioniert so: Im Firmenintranet sind alle Kollegen auf virtuellen Memory-Karten zu sehen – mal von vorne, mit Grimasse, im Profil, von hinten oder nur mit Namen. Wer fix und fehlerfrei die gleichen Karten aufdeckt, rangiert in der Spielerliste oben. „Unsere Mitarbeiter sind im regelrechten Wettkampffieber,“ erzählt Peter Schöner, Geschäftsführer des Münchner E-Learning-Spezialisten Memoray. „Ganz nebenbei lernt jeder spielerisch die Kollegen, deren Funktion, Sprachkenntnisse und Hobbies kennen.“

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