Kerner hebt ab, Beckmann sorgt vor
Fernsehgrößen im Visier der Medienexperten

Immer mehr Talkmaster beherrschen auch in den Werbepausen den Fernsehbildschirm. Vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender sollten die Werbeleidenschaft ihrer Protagonisten strenger kontrollieren, fordern nun Experten.

HB HAMBURG. Thomas Gottschalk, seine Gummibärchen und die gelben Autos von der Post sind in der deutschen Werbelandschaft schon ein gewohntes Bild. Aber auch die Aushängeschilder der großen öffentlich-rechtlichen Talkshows werden aus den Werbe-Etats großer deutscher Unternehmen bedient. Der Versicherungskonzern WWK hat ARD-Talkmaster Reinhold Beckmann als „Testimonial“, wie es in der Branche heißt, gewonnen, Johannes B. Kerner (ZDF) sorgt jetzt mit seinem Engagement für die Fluggesellschaft Air Berlin für Aufsehen.

„Es ist ein Auswuchs, der da stattfindet und nicht ungebremst weitergehen darf“, moniert Medienwissenschaftler Ulrich Spies vom Adolf Grimme Institut in Marl. „Gerade ARD und ZDF müssen von ihren Protagonisten verlangen, ihre Geschäftspraktiken transparenter zu machen oder einzuschränken.“ Die prominenten Moderatoren sollten dazu verpflichtet werden, ihre Gewinne mit den Sendern zu teilen - eine Art „Entlastung des Gebührenzahlers im weitesten Sinne“, sagt Spies. Joan Bleicher vom Hamburger Bredow-Institut kritisiert, dass die Vermischung von Werbung und redaktionellen Inhalten weiter vorangehe - „die Sendungen sind vielfach Sprachrohre von Unternehmen geworden“.

Roland Issen, stellvertretender Vorsitzender des ZDF-Fernsehrats, kündigte an, das Thema TV-Stars und Werbung im Aufsichtsgremium des Senders zu diskutieren. Rein rechtlich sehe er zwar keine Möglichkeiten, die Protagonisten einzuschränken, aber er wolle auf die Probleme aufmerksam machen, die sich möglicherweise für das Image des Senders ergeben könnten. Auch ein Gespräch mit ZDF-Intendant Markus Schächter will Issen führen.

Beckmann fiel im März mit einer Ausgabe zum Thema Altersvorsorge auf, in der er Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm interviewte. Zu Gast war auch Nina Ruge, die vor Beckmann für den - auch in der privaten Altersvorsorge tätigen - WWK-Konzern warb. Diese Form der Themenplatzierung missfiel dem Norddeutschen Rundfunk, der aus der Beckmann-Redaktion nicht über dessen WWK-Kampagne informiert worden war. „Ein Versäumnis“, räumte ein Sprecher ein.

Kerner wirbt derzeit großflächig für die Zeichnung von Air-Berlin- Aktien („Nichts ist erfolgreicher als Erfolg“). Das gute Verhältnis zum Vorstandschef Joachim Hunold demonstrierte Kerner bereits mit Einladungen in seine Show - zuletzt am 22. November 2005. „Dies dürfte jetzt nicht mehr passieren“, sagt ZDF-Sprecher Alexander Stock.

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