KfW-Bankengruppe
Ingrid Matthäus-Maier: Die unbequeme Fachfrau

Mit ihrer Meinung hat die Dame mit der Prinz-Eisenherz-Frisur nie hinter dem Berg gehalten. Seit Wochen tobt der Machtkampf zwischen ihr und dem amtierenden Vorstandssprecher Hans Reich um die Spitze der mächtigen Staatsbank KfW. Doch für Ingrid Matthäus-Maier gab es keinen Zweifel, wer am Ende den Sieg davon tragen wird: sie. Selbstzweifel scheint die resolute SPD-Genossin nicht zu kennen. Ihr Motto lautet: „Ich sag’ den Leuten, was Sache ist.“

HB FRANKFURT. Selbstbewusst, direkt, unbequem, das sind Adjektive, die im Zusammenhang mit der Politikerin, die vor sechs Jahren ins Bankfach wechselte, immer wieder fallen. Natürlich lässt sich das auch weniger freundlich ausdrücken. „Diese Frau nervt“, urteilte der Spiegel 1994 ungnädig. Sie schlafe offenbar nie und quatsche unermüdlich. Damals war die Haushaltsexpertin der SPD auf Wahlkampftour gegen Helmut Kohl und Theo Waigel und galt als Kandidatin für den Posten der Finanzministerin. Daran hatte sich auch vier Jahre später nichts geändert, als Gerhard Schröder die Bundestagswahl gewann. Finanzminister wurde dann allerdings Oskar Lafontaine. Führende Genossen der SPD sprechen noch heute von einer der „großen verpassten Chancen der Partei“.

Glaubt man Matthäus-Maier, dann waren es nicht Frust und Ärger über den verpassten Ministerposten, die sie 1999 zum Wechsel in den Vorstand der KfW bewegten. 22 Jahre im Bundestag seien genug, sagte sie. Die ersten sechs Jahre davon hatte die streitbare Finanzexpertin noch für die FDP im Parlament gesessen. Doch als die Liberalen 1982 der rot-gelben Koalition den Rücken kehrten und das Bündnis mit der Union suchten, wechselte Matthäus-Maier aus Protest in die SPD.

Genauso konsequent betrieb sie den Ausstieg aus der Politik. „Eine Rückkehr wird es nicht geben“, machte sie klar und legte ihr Bundestagsmandat nieder. Um so mehr schmerzen die Sozialdemokratin heute die Vorwürfe, unter ihrer Ägide drohe die KfW zu einer leichten Beute der Politik zu werden, und damit werde das erstklassige Standing der Staatsbank an den weltweiten Finanzmärkten untergraben.

Viel und laut spricht Matthäus -Maier noch immer. Das heißt aber noch langen nicht, dass sie sich in der sonst eher konservativen und diskreten Frankfurter Finanzszene nicht etabliert hat. Dass sie ihren Job ernst nimmt, spricht der Ex-Politikerin niemand ab – auch ihre Gegner nicht.

Im Vorstand der Bank ist sie zuständig für die Rechtsabteilung, die Wohnbau-Modernisierung, den Bereich Altschulden und die wichtigen Beziehungen nach Brüssel. Inzwischen fühlt sich die gelernte Juristin ganz als Bankerin. Doch die Kontakte in die Politik blieben eng, vor allem zum ehemaligen Finanzminister Hans Eichel. Als der im Frühjahr 2004 einen Nachfolger für den geschassten Bundesbank-Chef Ernst Welteke sucht, fragt er seine Parteifreundin, ob sie nicht Lust auf den prestigeträchtigen Posten habe. Matthäus-Maier lehnt ab, sie will lieber bei der Staatsbank bleiben. Eichel habe ihr versprochen, dass sie an die Spitze der KfW rücken werde, sobald Reichs Vertrag ablaufe, heißt es in SPD-Kreisen. Der neue sozialdemokratische Finanzminister Peer Steinbrück scheint bereit, das Versprechen einzulösen. Auf die Unterstützung seines Ministeriums konnte sich Matthäus-Maier im Machtkampf um die KfW jedenfalls noch immer verlassen.

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