Khadem Al-Qubaisi
Arabische Ungeduld

Er ist kein Freund orientalischer Gelassenheit. Und so dürften den Chef des Staatsfonds IPIC, Khadem Al-Qubaisi, die Probleme mit dem von MAN erworbenen Industriekonzern Ferrostaal gewaltig verärgern. In der Ferrostaal-Affäre sucht der neue Eigentümer aus Abu Dhabi nun eine schnelle Entscheidung.
  • 1

MÜNCHEN/STUTTGART. Schnell muss es in seinem Leben gehen. "Ich fahre gerne schnelle Autos - wie ich auch schnelle Entscheidungen mag", sagte der Chef des Staatsfonds International Petroleum Investment (IPIC) aus Abu Dhabi einmal. Und deshalb wird Khadem al-Qubaisi jetzt zum unbequemen Geschäftspartner für den Nutzfahrzeugkonzern MAN. Denn von diesem hat er einst den Industriekonzern Ferrostaal gekauft und wird das Gefühl nicht los, dabei unzureichend informiert worden zu sein.

Der Industriekonzern Ferrostaal, der inzwischen zu 70 Prozent IPIC gehört, steckt in einem Schmiergeldskandal, der Staatsanwaltschaften rund um den Globus beschäftigt. Ermittelt wird in Lateinamerika, Portugal, Ägypten und Griechenland. Am schärfsten geht die Staatsanwaltschaft München vor, die bereits zweimal die Räume in der Ferrostaal-Zentrale durchsuchte. Denn so breit, wie der Industriekonzern aufgestellt ist, ist auch die Fülle der Probleme.

Al-Qubaisi soll dies sehr verärgern. Nicht nur, dass Stück für Stück Details der Korruptionsaffäre publik werden, stört ihn. Von der früheren Ferrostaal-Mutter MAN fühlt er sich über den Tisch gezogen. Nur wenige Wochen nachdem die Übernahme von Ferrostaal vollzogen war, rückte die Staatsanwaltschaft bei dem Unternehmen ein. Dass MAN von dem Ausmaß der Affäre nichts gewusst hat, glaubt niemand am Golf.

Der IPIC-Chef sucht nun zügig eine Lösung. MAN soll entweder einen wesentlichen Teil des Kaufpreises von 700 Mio. Euro zurückgeben, oder das Geschäft wird rückabgewickelt. Um den Druck zu erhöhen, haben die Araber jetzt ein Schiedsgericht angerufen.

Das Vorgehen passt zum Charakter von al-Qubaisi. Mit öffentlichen, emotionalen Äußerungen hält er sich zurück, er sucht eine klare Lösung über den Rechtsweg. Der zur Herrscherfamilie zählende Araber ist ein rationaler Mensch. Dies spiegelt sich in seinem Lebenslauf wider. Nach dem Wirtschaftsstudium an der Universität von Al-Ain war er zunächst Analyst in seinem Heimatland Abu Dhabi, bevor er im Jahr 2000 in den Dienst der IPIC eintrat.

Als reiner Verwalter der Petro-Dollar will der Vater zweier Söhne und einer Tochter nicht gelten. Der Scheich will über die Beteiligungen neue Technologien in die Emirate holen. Neue Fabriken vor allem in der Chemie sollen entstehen. Dazu hat IPIC sich an Daimler, Borealis, OMV, Cepsa und Nova beteiligt. Und anders als Ferrostaal macht das Daimler-Engagement Freude - und zwar nicht nur, weil sich in seinem Fuhrpark ein paar Daimler finden und sich seit dem Einstieg 2008 und der Anteilsaufstockung im vergangenen Jahr der Wert des Aktienpakets mehr als verdoppelt hat. Daimlers Stern glänzt auch wieder. Der Araber ist damit seinem Ziel, IPIC zum Sammelhort technologischer Vorzeigefirmen zu machen, ein Stück näher gekommen.

Und Ferrostaal? Als kurzfristig gilt kein Engagement. Auf einer Pressekonferenz sagte er im März 2009 auf die Frage, wie lange IPIC bei dem Autobauer beteiligt bleibt. "Ob 50 oder 100 Jahre, kann ich nicht sagen: Solange es Abu Dhabi gibt, jedenfalls." Bei Ferrostaal könnte die Uhr schneller ablaufen.

Kommentare zu " Khadem Al-Qubaisi: Arabische Ungeduld"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Tja, Herr Khadem al-Qubaisi warum soll es ihnen besser gehen als den bürgern im Turbokapitalismus?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%