Kia-Chefdesigner Schreyer
Gesucht: das perfekte Gesicht

Peter Schreyer ist der Chefdesigner des koreanischen Autobauers Kia. Sein Arbeitgeber will sein Image als Billigmarke loswerden. Die Chefs wollen sich nicht mehr damit zufriedengeben, preisgünstige Autos zu produzieren. Sie haben Höheres im Sinn. Ein Stardesigner auf der Suche nach der Formel der Zukunft. Eine Handelsblatt-Reportage.

FRANKFURT / MAIN. Diese Aussicht. Diese Transparenz. Genau so hat Peter Schreyer sich sein neues Büro vorgestellt. Ein rundum verglaster Raum, von wo aus er einen freien Blick nach draußen hat. Ein paar Stockwerke unter ihm gleiten Autos auf einer sechsspurigen Straße durch die Frankfurter Innenstadt. Er kann sie vom Schreibtisch aus in ihrem vorbestimmten Biotop sehen. Das sei wichtig, sagt Schreyer. „Der Blick, das Gefühl für die Proportionen.“ Und manchmal scheint es ihm, als wäre zwischen der Offenheit draußen und der Offenheit drinnen in diesem gläsernen Hochhaus kaum ein Unterschied.

Von unten, wo die Autos ihre Bahnen durch die Innenstadt ziehen, kann man hineinsehen in diesen Glasquader, in dem Peter Schreyer und seine Mitarbeiter in Besprechungszimmern, an Schreibtischen und in ihren Werkstätten daran arbeiten, die entscheidende Formel zu finden. Die Formel, von der vielleicht Milliarden Euro abhängen. Die Formel für die Zukunft. Die Formel für das perfekte Gesicht.

Peter Schreyer ist der Chefdesigner des koreanischen Autobauers Kia. Sein Arbeitgeber will sein Image als Billigmarke loswerden. Die Chefs wollen sich nicht mehr damit zufriedengeben, preisgünstige Autos zu produzieren. Sie haben Höheres im Sinn. Haben angekündigt, den VW Golf und den Ford Focus zu attackieren. Wer als Autohersteller in Europa eine Rolle spielen wolle, müsse in diesem Segment mitmischen.

Als Zeichen dafür, dass sie es ernst meinen mit ihrer Präsenz in Deutschland, haben sie die Europazentrale und das Designzentrum für den europäischen Markt aus der Gesichtslosigkeit Rüsselsheims nach Frankfurt am Main verlegt. Ins Stadtzentrum. Ende Juli hat Schreyer sein altes Büro, karg möbliert, grau in grau, gegen das neue eingetauscht. Zwischen beiden liegen gut 20 Autominuten. Und doch Welten.

Die neuen Arbeitsbedingungen seien einzigartig in Europa, sagt Schreyer. Er und seine Kollegen arbeiten nicht mehr im Niemandsland, sondern mitten in einer lebendigen Stadt. Und es ist kein Zufall, dass gleich neben Kias neuer Zentrale die Hallen der Frankfurter Messe liegen. Dort trifft sich die Branche nächste Woche wieder zu einer ihrer wichtigsten Leistungsschauen, der IAA.

Das ist das eine. Ein anderer Teil jener Zukunftsformel, die Kia gefunden zu haben glaubt, ist Schreyer selbst. Vorsprung durch Design.

Vor gut einem Jahr kam Schreyer zu Kia. Fast 27 Jahre lang hatte er im VW-Konzern gearbeitet, hatte zum Beispiel den Audi TT entworfen, den New Beetle, den Golf IV – Autos, die fast jeder kennt, nicht nur in Deutschland. Schreyer hat den Deutschen Designpreis gewonnen, und Ende Juni hat ihn das renommierte Royal College of Art in London zum Ehrendoktor gemacht, wie vor ihm Roy Liechtenstein, Giorgio Armani und Norman Foster.

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