Kinder
Eltern haften nicht immer

Eltern haften nicht immer für ihre Sprösslinge, wie zwei aktuelle Urteile belegen.

Im ersten Fall hatten sich drei 13-jährige Schulkameraden zu einem Umtrunk getroffen. Der Alkohol machte sie übermütig: Das angeheiterte Triumvirat begab sich in die leere örtliche Kirche, wo einer von ihnen zum Feuerlöscher griff und munter lossprühte. Das Löschmittel beschädigte Teile der Orgel und einige Kunstgegenstände, Reinigung und Restaurierung kosteten 27 780 Euro. Die Haftpflichtversicherung der Mutter des Sprühers zahlte jedoch nur 12 644 Euro - der Junge habe den Schaden schließlich vorsätzlich verursacht.

Doch das Oberlandesgericht Koblenz zeigte Verständnis für den bösen Streich und verdonnerte die Assekuranz, die volle Summe zu zahlen (10 U 1748/06). Es gebe keine Anhaltspunkte, dass der Junge ahnte, welch hohen Schaden das ätzende Löschmittel anrichten werde, so die Richter. Ein Vorsatz im juristischen Sinne liege deshalb nicht vor.

Im zweiten Fall hatten vier Zehnjährige einen dunklen Keller für "Schwarz/Weiß", ein Lauf- und Versteckspiel, ausgewählt. Als einer der Freunde suchen musste, rannte er "Buh-schreiend", wie das Gericht rekonstruierte, durch die Dunkelheit. Tatsächlich kamen seine Kumpel erschrocken aus den Verstecken und stolperten übereinander.

Einer brach sich den Schneidezahn ab, woraufhin seine Eltern 700 Euro Schadensersatz vom Buhrufer forderten - wegen "unfairen Verhaltens" beim Spielen. Das Landgericht Coburg konnte keine Regelwidrigkeit erkennen: Wer bei Laufspielen mitmache, nehme das Sturzrisiko in Kauf (33 S 54/07).

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