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Deutsche Gipfel-Stürmerinnen fehlen

Das neue Wall-Street-Journal-Ranking der Top-50-Businessfrauen offenbart die Rückständigkeit deutscher Unternehmen. Alle Jahre wieder kommt dieselbe Enttäuschung: Wenn internationale Ranglisten bedeutender Businessfrauen erscheinen, dann glänzt Deutschland allenfalls durch Abwesenheit.

Unter den globalen „50 Women to Watch“, die die Redaktion des „Wall Street Journal“ aus 550 weltweiten Nominierungen auserkoren hat, findet sich keine einzige deutsche Vertreterin. Unter zehn weiteren europäischen Nominierungen, die eine Platzierung unter den Top 50 knapp verpasst haben, findet sich nur eine Managerin eines deutschen Unternehmens: Karin Dorrepaal, Vorstandsmitglied beim Berliner Pharmakonzern Schering.

Alle Jahre wieder wird analysiert und nach Erklärungen gesucht. In diesem Jahr bringt die Analyse eine gute und eine schlechte Nachricht hervor. Die gute Nachricht zuerst: Zwar ist die Präsenz weiblicher Führungskräfte in den Top-Etagen nach wie vor mager. Doch in der Ebene darunter, in den gehobenen Führungspositionen, aus denen die Kandidaten für Top-Positionen rekrutiert werden, befinden sich inzwischen deutlich mehr Frauen. Auch die Zahl der Frauen, die ganz vorne an der Unternehmensfront kämpfen, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Eine Hand voll dieser 50 Top-Frauen leitet schon jetzt in Großkonzernen Geschäftsbereiche, die Milliardenumsätze machen.

Zum Beispiel die Citigroup: Marjorie Magner leitet das globale Privatkundengeschäft mit 150 000 Mitarbeitern und 120 Millionen Kunden in 54 Ländern. Wäre ihr Geschäftsbereich ein selbstständiges Unternehmen, zählte es zu den größten weltweit. Doch als Teil der Citigroup ist Magner jenseits ihrer Unternehmens- oder Branchengrenzen wenig bekannt.

Ein anderes Beispiel: Susan Arnold ist Bereichsleiterin bei dem Konsumgüterriesen Procter & Gamble und weltweit für die Beauty-Marken verantwortlich. Ihr Produktbereich ist wichtigster Umsatz- und Gewinnbringer. „Zwar gibt es nur acht weibliche Vorstandsvorsitzende in den 500 größten Unternehmen weltweit“, beobachtet Ilene Lang von der New Yorker Personalforschungsgruppe Catalyst. „Doch gleich unterhalb dieser Ebene, unter dem Radar öffentlicher Wahrnehmung, leiten Frauen Multi-Milliarden-Dollar- Geschäfte.“ Dies bedeutet keinesfalls, dass die großen Multis über Nacht zu Frauenpower-Domänen mutiert sind, im Gegenteil: Nur 7,9 Prozent der Top-Positionen – Vorstandsmitgliedern vergleichbar – sind nach der Catalyst-Analyse weiblich besetzt. Doch Catalyst sieht eine Generation weiblicher Führungskräfte vor dem Durchbruch, die in den 70er- und 80er-Jahren ihre Karrieren begonnen haben und demnächst die globale Führungskräfte-Szene verändern werden.

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