Kjell Inge Røkke
Einmal Fischer, immer Fischer

Der norwegische Milliardär Kjell Inge Røkke hat eine Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Karriere hinter sich. Seine berufliche Laufbahn begann nach Abbruch der Volksschule Anfang der achtziger Jahre auf einem Fischtrawler. Nun hat er sich seiner beruflichen Anfänge erinnert – und kehrt zu seinen Wurzeln zurück.

STOCKHOLM. Können Sie sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hinter dem Bankschalter vorstellen, wie er gerade einer Kundin das mühsam Ersparte vorzählt und dann freundlich lächelnd durch die Panzerglas-Luke schiebt? Oder Ex-Daimler-Chrysler-Boss Jürgen Schrempp, der im ölverschmierten Blaumann dem Besitzer eines betagten Mercedes erklärt, dass die Zylinderkopfdichtung hin ist? Nein? In Norwegen scheinen die Berührungsängste von Managern und Unternehmern mit der eigenen Vergangenheit deutlich geringer zu sein. Das Enfant Terrible der norwegischen Industrie, Kjell Inge Røkke, hat sich seiner beruflichen Anfänge erinnert und arbeitet wieder als Krabben-Fischer.

Die berufliche Laufbahn des Hauptaktionärs des großen norwegischen Anlagenbauers Aker Kvaerner begann auf einem Fischtrawler. Vor Alaska wurden die Netze ausgelegt, und Røkke ging schnell auf, dass das ein Bombengeschäft ist. Er sparte und legte sich bald den ersten eigenen Kutter zu.

Von da ging es in rasender Fahrt von Erfolg zu Erfolg. Aus einem kleinen Kutter wurde eine ganze Flotte. Die Schiffe mussten irgendwo gebaut werden, also übernahm Røkke ein paar Werften und stieg in den Neunziger Jahren beim damals größten Konzern des Landes, Kvaerner, ein. Mittlerweile ist er mit einem Vermögen von umgerechnet 2,2 Mrd. Euro einer der fünf reichsten Menschen im Land der Fjorde.

Geld stinkt nicht, Fisch schon. Aber offenbar ist es genau das, was der Multimilliardär liebt. „Einmal Fischer – immer Fischer“, sagte er diese Woche und kündigte an, von nun an jeden Donnerstag am Rathauskai, mitten im Zentrum von Oslo, von seinem edlen, 2,5 Millionen Euro teuren Fischkutter „Trygg“ aus Krabben zu verkaufen.

Tatsächlich läuft er pünktlich um sieben Uhr früh in den Osloer Hafen ein. 24 Stunden zuvor waren er und seine kleine Besatzung ausgelaufen. 70 Kronen – umgerechnet 8,60 Euro – für den Ein-Liter-Eimer mit Krabben nimmt Røkke – genauso viel wie die übrigen Fischer.

Der Andrang war riesig, der Fang nach zweieinhalb Stunden verkauft. Der Duzfreund von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der die feine Osloer Gesellschaft mit seinem Lebensstil immer wieder vor den Kopf stieß, ist mittlerweile ein respektierter Geschäftsmann.

Journalisten, die dem Milliardär in den vergangenen Jahren das Leben mit Berichten über seinen ausschweifenden Lebensstil mit vielen schönen Frauen und noch mehr extravaganten Autos oft schwer gemacht haben, mag der mittlerweile deutlich ruhiger gewordene Røkke weiterhin nicht. Sie mussten tiefer in die Tasche greifen: 170 Kronen wollte Røkke von ihnen haben.

Einen kleinen Haken hat die neue Karriere des Kjell Inge Røkke allerdings: Um offiziell als Fischer arbeiten zu können, darf man in Norwegen nebenbei nicht mehr als umgerechnet 23 100 Euro im Jahr verdienen. Røkke erklärte, er rechne nicht damit, dass seine übrigen Einkünfte in diesem Jahr den Betrag übersteigen werden. Wie der Milliardär das anstellen will, wissen wohl nur seine Steuerberater – doch die schweigen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%