Klage des Insolvenzverwalters
Leo Kirch punktet gegen die Deutsche Bank

Im Kampf gegen die Deutsche Bank und ihren ehemaligen Chef Rolf Breuer hat der gescheiterte Medienunternehmer Leo Kirch einen erneuten Punktsieg erringen können. Das Landgericht München I wies am Freitag eine Klage des Insolvenzverwalters gegen Kirch und fünf weitere Manager der ehemaligen Dachgesellschaft des Kirch-Konzerns, der Taurus-Holding, ab.

MÜNCHEN. Dabei kritisierte Richter Martin Scholz die Rolle der Deutschen Bank so eindeutig, dass das Bankhaus für den anstehenden Schadenersatz-Prozess vorgewarnt sein muss. Das Verfahren war vor allem deshalb spannend, weil die Deutsche Bank den Insolvenzverwalter in dem Rechtsstreit zumindest indirekt unterstützt, indem sie im Sommer Forderungen des Insolvenzverwalters gegen Kirch aufgekauft hat.

Im Umfeld Kirchs vermutet man, Ziel des Geschäfts sei es gewesen, an Unterlagen zu kommen, die sich gegen Kirch verwenden lassen. Diese hätten sich nun als wertlos entpuppt.

Im Mittelpunkt des Streits steht das Interview des damaligen Bank-Chefs Rolf Breuer am 4. Februar 2002, in dem dieser die Zahlungsfähigkeit Kirchs indirekt infrage gestellt hatte. Der Medienunternehmer macht Breuer und die Bank seither für seine Insolvenz mitverantwortlich und hat eine Klagewelle losgetreten, darunter ein Schadenersatz-Verfahren, in dem er 1,6 Mrd. Euro fordert. Das Münchener Oberlandesgericht hat diesen Ansprüchen im Prinzip zugestimmt, nun wird über die Höhe der Summe gestritten.

Im Gegenzug hatte der Insolvenzverwalter auf die Rückzahlung von 9,3 Mill. Euro geklagt: Die Führung von Kirchs Taurus-Holding habe Zahlungen noch nach dem 5. Februar 2002 veranlasst, obwohl sie schon Insolvenz hätte anmelden müssen. (Az. 14 HK O 1877/07). Beobachter vermuten, die Bank habe im Verfahren vor allem darauf gehofft, eine Aussage zu erhalten, die bekräftigt, dass Kirch direkt nach Breuers Interview noch nicht zahlungsunfähig war.

Richter Scholz machte etwaige Hoffnungen zur Makulatur. Zwar sei die Deutsche Bank nicht direkt am Verfahren beteiligt, doch sei das Breuer-Interview Kern des Problems. Die Zahlungsunfähigkeit Kirchs sei nicht direkt nach dem Interview eingetreten, doch hätten Breuers Aussagen wie "schleichendes Gift" gewirkt.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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