Klaus Engel
Evonik-Chef Engel ist kein Feingeist

Der neue Evonik-Chef Klaus Engel muss den Konzern durch schwere Zeiten führen – und sein eigenes Profil schärfen

ESSEN. „Moll ist nicht so sehr meine persönliche Tonart.“ Doch es sind überwiegend gedämpfte Töne, die Klaus Engel bei seinem ersten Auftritt als neuer Evonik-Chef vor der Presse anschlagen muss. Schlechte Nachrichten muss er verkünden. Die Konjunkturkrise hat den Essener Mischkonzern voll erwischt und vor allem im vierten Quartal den größten Geschäftsbereich Chemie getroffen.

Doch der bullige Vorstandsvorsitzende stellt sich seiner neuen Aufgabe. Geduldig lässt er vor der Veranstaltung fünf Minuten lang die Fotografen ihre Bilder schießen, lächelt leicht in seinem dunkelblauen Anzug mit der Krawatte in der Konzernfarbe Magenta und ist auch nachher für Fotos und Fernsehinterviews zu haben. Keiner Frage weicht er aus.

Aber der Mann mit der kräftigen Stimme und dem leichten Ruhrpottakzent beantwortet nicht jedes Detail. Denn es kommen viele Fragen: Reicht die derzeitige Kurzarbeit aus? Wird der Konzern in die roten Zahlen rutschen?

Der in Duisburg geborene und heute in Mülheim wohnende 52-Jährige mit den fast weißen Haaren tritt ein schweres Erbe an. Sein Vorgänger Werner Müller hatte es leichter, in Zeiten der Hochkonjunktur gute Zahlen vorzulegen. Müllers Verdienst ist es, dass er das Fundament für Evonik gelegt hat. Der frühere Wirtschaftsminister baute den Kohlekonzern RAG um, spaltete den Kohlebergbau ab und formte aus dem Chemieunternehmen Degussa, dem Energiespezialisten Steag und dem Immobilienbereich den heutigen Mischkonzern Evonik. Nur den ursprünglich für vergangenen Sommer geplanten Börsengang musste Müller wegen des schlechten Börsenumfeldes abschreiben.

Müller holte Engel 2006 zur RAG und machte den promovierten Chemiker zum Chef der Chemiesparte. Beide kennen sich von der Veba, dem Vorgänger des heutigen Energiekonzerns Eon. Engel hatte sich bewährt als Chef des Mülheimer Chemietransportunternehmens Brenntag.

Den Feingeist Müller und den eher bodenständigen Engel unterscheidet vieles. „Ich spiele nicht Klavier“, hat Engel einmal einen wichtigen Unterschied genannt. Für Fußball interessieren sich beide: Müller verbindet eine Art Hassliebe mit Borussia Dortmund, die Evonik als Trikotsponsor gewonnen hat. Engel spielte auch in seiner Jugend Fußball und ist Anhänger des MSV Duisburg.

Jetzt muss Engel zeigen, dass er nicht nur seinen Chemiebereich beherrscht. Er muss ein eigenes Profil entwickeln. „Nach einem Charismatiker wie Müller hat es jeder andere Vorstandschef schwer“, sagt ein Unternehmensberater, der nicht genannt werden möchte.

Außerdem muss Engel den „kreativen Industriekonzern“, wie er Evonik gerne bezeichnet, auf das veränderte Umfeld einstellen. Erste Kursänderungen hat er schon ausgegeben: Der Börsengang ist kein Thema mehr. Statt der Verdoppelung des Unternehmenswertes in fünf Jahren ist jetzt ein Sparkurs angesagt.

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