Klaus Fricke legte sich gern mit der Konzernspitze an
Fiat trennt sich von seinem Deutschland-Chef

Für Klaus Fricke sind die Tage bei Fiat gezählt. Nach Informationen des Handelsblatts wird schon in der kommenden Woche sein Arbeitgeber, der kränkelnde Turiner Automobilhersteller, die Trennung vom Deutschland-Chef bekannt geben. Erst vor drei Jahren war er von Smart zu Fiat gekommen, begonnen hatte seine Laufbahn bei BMW.

FRANKFURT/M. Der umtriebige Vielraucher Fricke ist Opfer seiner offenen Art geworden, zuweilen auch öffentlich den Finger in die Wunden der Konzernspitze zu legen. Sein Ruf nach mehr personellen Konsequenzen aus dem Fiat-Debakel der vergangenen Jahre, seine gebetsmühlenartige Forderung nach Qualitätsverbesserungen, einer funktionierenden Ersatzteillogistik und einer Änderung der Vertriebspolitik, war einigen Managern in Turin wohl zu vorlaut.

Offiziell will sich keiner der Beteiligten dazu äußern. Doch aus Firmenkreisen verlautete, dass nur noch die Unterschriften unter dem Aufhebungsvertrag für Fricke fehlen. Wie tief die Kluft zwischen Turin und Fricke ist, zeigt die Reaktion des Deutschland-Chefs auf die hochkochenden Gerüchte: „Auftragsarbeiten kommentiere ich nicht“, sagte der 51-Jährige am Donnerstag am Rande der Vorstellung des neuen Fiat-Minivans Idea in Frankfurt und ließ damit keinen Zweifel, dass die Trennungsgerüchte seiner Meinung nach von der Zentrale gezielt gestreut wurden. Dort forderte er unverhohlen einen personellen Neuanfang, um das Autogeschäft aus seinen Milliardenverlusten zu führen. „Probleme kann man nicht mit ihren Verursachern lösen“, zitierte er öfter als einmal Albert Einstein.

Zumindest an der Spitze von Fiat-Auto wurde seine Forderung erfüllt. 2002 wurde mit Herbert Demel ein neuer Chef berufen. Er und Fricke kennen sich gut: 1996 wollte Demel als damaliger Audi-Chef Fricke für den Vertrieb der Ingolstädter gewinnen. Die Verträge waren bereits unterschriftsreif, dann machte Fricke einen Rückzieher und blieb bei seinem damaligen Arbeitgeber, dem Zulieferer Recaro – so etwas vergisst ein Manager nicht. Auch in Fiat-Vertriebschef Gianni Coda dürfte Fricke keinen Fürsprecher gefunden haben. Schließlich hat er diesem eine verfehlte Vertriebsstrategie vorgeworfen.

Erfolglosigkeit kann bei der Trennung jedenfalls nicht die Hauptrollen gespielt haben. Zwar sind die Neuzulassungen für Autos der Fiat-Gruppe 2003 in Deutschland zweistellig gesunken, doch Fricke konnte erstmals nach mehreren Verlustjahren wieder einen Gewinn von knapp 35 Millionen Euro nach Italien melden.

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