Klaus J. Jacobs räumt dem Adecco-Chef eine Galgenfrist ein
Ein Hanseat aus Zürich

Da ist er wieder: Klaus Johann Jacobs, ehemaliger Bremer Kaufmann und heutiger Schweizer Milliardär, hat einfach nicht länger mit ansehen können, wie ihm die Beteiligung am Personalvermittler Adecco unter den Händen zerbröselt.

DÜSSELDORF. Hörbar ungehalten hat sich der ehemalige Kaffeekönig in einem Interview mit dem Schweizer Magazin „Bilanz“ zu Wort gemeldet und dabei seine küstennahe Herkunft nicht verschwiegen: „Bei schönem Wetter“, schreibt er dem noch amtierenden Adecco-Chef Jérome Caille ins Stammbuch, „kann jeder segeln. Erst beim Sturm zeigt sich der wahre Kapitän.“

Das weltgrößte Zeitarbeitsunternehmen steckt im Schlamassel – seit das Management wegen Ungereimtheiten in der Bilanz die Veröffentlichung seiner Zahlen auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben hat. Der Kurs ist eingebrochen, was der Jacobs-Stiftung 600 Millionen Euro Verlust beschert haben dürfte.

Das schmerzt auch einen Milliardär. Dabei hat Jacobs, seit er 1972 in die Fußstapfen seines Vaters trat, schon allerhand Höhen und Tiefen durchschritten. Er baute das Unternehmen zum weltgrößten Kaffeekonzern aus und expandierte 1982 in die Schweiz.

Als er dort den Schokoladenhersteller Suchard-Tobler schluckte, schrien die Eidgenossen auf: Ausgerechnet ein Deutscher übernahm ein Stück schweizerische Tradition. Acht Jahre später verkaufte er nicht ganz freiwillig seine Schokoladenseite an Philip Morris: Jacobs brauchte Geld, um seine drei Geschwister, die sich nicht länger an den Konzern binden wollten, auszuzahlen.

Seine Beteiligung an Callebaut, einer nicht ganz so feinen, dafür aber äußerst einträglichen Schokoladenadresse, konnte er dagegen noch verstärken. Außerdem stieg der Unternehmer beim Schweizer Zeitarbeitskonzern Adia ein, machte ihn profitabel, bevor er ihn mit der französischen Ecco fusionierte.

Mit 65 zog sich Jacobs vor zwei Jahren zurück. Seine Vermögensrechte gingen auf die von ihm gegründete Jacobs-Stiftung in Zürich über. Aber auch da zieht der Hanseat die Fäden, wie der Adecco- Chef jetzt erlebt. Wenn er den Sturm nicht meistere, müsse Caille eben gehen, ließ ihn Jacobs wissen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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