Klaus Junker
Krisenmanager mit viel Gelassenheit

Norddeutsche sind wahrscheinlich eine Spur gelassener und lassen sich nicht sofort von jeder Krise beeindrucken. Und wer dann noch extrem viel Erfahrung besitzt, geht mit mehr Ruhe an vermeintliche Katastrophen heran. Klaus Junker leitet seit 20 Jahren das Osteuropa-Geschäft der Allianz – und noch immer glaubt er an den Erfolg dieser Region.

MÜNCHEN. Klaus Junker ist so ein Norddeutscher: auf Rügen geboren und 64 Jahre alt. Natürlich muss sich der altgediente Versicherungsmanager seit dem Herbst vergangenen Jahres seine Gedanken über krisenbedingte Veränderungen machen. Doch er glaubt immer noch an seine Region, an Osteuropa. "Die Wachstumsraten im Versicherungsbereich liegen dort in aller Regel über denen der Bruttosozialprodukte", begründet er seine Zuversicht.

Wenn sich jemand in Osteuropa auskennt, dann der Allianz-Manager. Seit 20 Jahren verantwortet er die Geschäfte des Versicherungsriesen in der Region. Im Jahr 1989, als der Eiserne Vorhang fiel, rückte er auf den Posten des für Osteuropa verantwortlichen Bereichsvorstandes vor. Damals wagte die Allianz den Einstieg in Ungarn - der erste Versuch der Münchener, in Osteuropa Fuß zu fassen. "Und weil das gelang, bekamen wir den Mut, auch in andere Länder zu gehen", erzählt der Allianz-Veteran.

Nach zwei Jahrzehnten im Osten ist Junker überzeugt, dass die Region die Krise bewältigt. "Vor 20 Jahren mussten die Menschen dort viel tiefere Einschnitte durchstehen", sagt er. Osteuropäer besäßen ein hohes Maß an Flexibilität.

Daraus nimmt Junker auch die Zuversicht, dass die Allianz auf längere Sicht unternehmerischen Erfolg in Osteuropa haben wird. Menschen in Ungarn, Rumänien und Russland bräuchten in den nächsten Jahren neue Versicherungen. Der Automobilbestand sei bei weitem nicht so groß wie im Westen, gewaltige Lücken gebe es in der Altersvorsorge, besonders in Russland.

Aktuell in der Krise spart die Allianz auch in Osteuropa. Westliches Effizienzdenken zieht ein, etwa mit einem länderübergreifenden Service-Center der Allianz für ganz Osteuropa in der slowakischen Hauptstadt Bratislava. Angesichts hoher Wachstumsraten war strenges Kostenmanagement in den Boomjahren nicht immer nötig.

Junker trägt es mit Fassung, dass die Allianz seit dem vergangenen Jahr nicht mehr der größte Versicherer in Osteuropa ist. "Wir haben die Allianz überflügelt und möchten das in einigen Ländern noch unterstreichen", verkündete Günter Geyer, Vorstandsvorsitzender der Vienna Insurance Group (VIG), des Erzrivalen der Allianz. Vor einem Jahr hatten die Wiener kräftig dazugekauft und waren vorbeigezogen.

Der Allianz-Mann gönnt seinen Kontrahenten an der Donau den Spitzenplatz, solange die Zahlen an der Isar stimmen. "Wir müssen nicht flächendeckend in jedem Land vertreten sein", sagt er zur Ost-Strategie. Entscheidend sei die starke Position in einem einzelnen Land, "mit 15 bis 20 Prozent Marktanteil sind wir gut aufgestellt." Das gilt für Länder wie Rumänien, Ungarn und die Slowakei - Zukäufe sind dort ausgeschlossen.

In die baltischen Staaten will Junker nicht gehen. Die drei Staaten seien zu klein, der Versicherungsmarkt fragmentiert. In Ex-Jugoslawien ist die Allianz nicht überall vertreten, Serbien wird nach Auskunft Junkers noch folgen. Er lässt offen, ob diese Aufgabe schon sein Nachfolger übernehmen wird.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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