Klaus M. Leisinger
Kämpfer gegen Seuchen

Klaus M. Leisinger führt die millionenschwere Stiftung des Schweizer Pharmakonzerns Novartis und verteilt kostenlos Medizin gegen Lepra und Malaria an arme Länder. Er arbeitet eng mit der Uno zusammen, die am 7. April den Weltgesundheitstag begeht.

GENF. Wenn Klaus M. Leisinger über die Lepra spricht, schaltet er auf ein noch höheres Redetempo als sonst. „Wir in der Novartis-Stiftung für Nachhaltige Entwicklung kämpfen seit 1986 gegen die Lepra, es ist unser ältestes und größtes Projekt“, betont der 62-jährige Deutsche aus Südbaden. Seit 2000 stellt die Stiftung des Baseler Pharmariesen Novartis die Medikamente gegen die Lepra gratis zur Verfügung. So konnten fast fünf Millionen Leprakranke geheilt werden, weiß Stiftungspräsident Leisinger.

Auch die Vereinten Nationen, die heute den Weltgesundheitstag begehen, können auf die Schweizer bauen: Die Stiftung unterstützt die Uno beim Erreichen ihrer ehrgeizigen Millenniums-Entwicklungsziele. Im Februar erläuterte Leisinger seine Arbeit dem Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon. Der war sichtlich beeindruckt. Uno-Diplomaten loben Leisingers Energie und Vorwärtsdrang: „Der arbeitet immer hart für den Erfolg seiner Projekte, ein echter Macher“, urteilt ein Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation.

Leisinger holt Luft, dann berichtet er von seinen Besuchen in Krankenstationen in Indien und Afrika. Die Lepra, so erfuhr er, zerstört nicht nur den Körper und die Seele der Opfer. Die heimtückische Infektionsseuche vernichtet auch die sozialen Bindungen in den Gemeinschaften. „Leider fristen die Leprakranken noch immer in vielen Ländern ein erbärmliches Leben am äußersten Rande der Gesellschaft.“ Die Stiftung hilft, die Patienten in soziale Strukturen zurückzuführen. Dazu gehört vor allem: Aufklärung. Denn viele Menschen glauben, dass böse Geister den entstellenden Aussatz schicken.

Einen wichtigen Verbündeten im Kampf gegen Krankheiten fand Leisinger in Novartis-Chef Daniel Vasella. Der promovierte Arzt Vasella will auch in Zeiten der Wirtschaftskrise „nicht bei den Armen sparen“. So sind der Stiftung rund 30 bis 40 Millionen Franken jährlich für Projekte und Medikamente sicher, die sie auch im Kampf gegen Malaria und Tuberkulose kostenlos an arme Länder verteilt. Und was ist mit Arznei zur Behandlung von Aids? Leisinger: „Wir haben keine, wir sind in dem ganzen Bereich der Aidsforschung nicht tätig.“

Leisinger ist auch kritische Fragen zu seinem Engagement gewohnt. Oft muss er erklären, dass die Stiftung nicht als medienwirksame Einrichtung zur Aufpolierung des Novartis-Images dient. Für ihn gehört die Arbeit der Stiftung zur gesellschaftlichen Verantwortung des Konzerns. „Wir können helfen, also sollten wir das auch tun“, sagt er. Und den Armen sei es vermutlich völlig egal, ob sie die Medizin von Novartis erhielten oder von einer anderen Einrichtung. „Hauptsache, sie werden von ihren Krankheiten geheilt.“

Dieser Pragmatismus zieht sich durch die gesamte Karriere Leisingers. Der Mann aus der südwestlichen Ecke Deutschlands ist in der Universität genauso zu Hause wie in Unternehmen. Und er nutzt konsequent die beruflichen Möglichkeiten in der benachbarten Schweiz.

Leisinger habilitierte sich in Soziologie zum Thema Gesundheitspolitik für die am wenigsten entwickelten Länder – noch heute lehrt er an der Universität Basel. Bei einer der Novartis-Vorgängerfirmen, der Ciba, formulierte er die „Unternehmenspolitik für die Dritte Welt“ und beriet die Chefs in Sachen unternehmerische Verantwortung (Corporate Responsibility). Nach einer Station in Afrika verantwortete Leisinger den Bereich Internationale Beziehungen der Ciba. Im Jahr 1996 übernahm er die Leitung der Novartis-Stiftung.

Wie lange noch will er die Institution führen? „Ich werde erst dann Schluss machen, wenn wir die Lepra besiegt haben“, sagt er. Frühestens in fünf Jahren, so lauten optimistische Prognosen, könnte es so weit sein.

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