Klaus Mangold
Russlands Freund wird Tui-Aufsichtsratschef

Klaus Mangold soll im Februar den Ex-RWE-Chef Dietmar Kuhnt im Amt des Tui-Aufsichtsratschefs beerben. Die Berufung des Managers erscheint logisch, kennt er doch seit Jahren den Chef des Unternehmens.
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BERLIN/FRANKFURT. "Du bist mein Gast", lud Klaus Mangold den russischen Premierminister Wladimir Putin am vergangenen Freitag in Berlin zum Einkauf von Weihnachtsschnitzereien ein. Und dieser nahm Pyramide, Lichtbögen und Nussknacker – und griff in seine Jacketttasche: „Das geht nicht, Klaus“, lehnte Putin Mangolds Angebot ab und zückte selbst einen Bündel Geldscheine.

Weihnachten feiern die Putins, die zu DDR-Zeiten einige Jahre in Dresden gelebt hatten, dieses Jahr also mit deutschem Weihnachtsschmuck. Und geholfen hat wieder einmal Klaus Mangold: Der am 1. Dezember scheidende langjährige Vorsitzende des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft gilt als großer Freund Russlands. Der exzellent verdrahtete Manager wirbt wie kein anderer für die Akzeptanz russischer Investoren in Deutschland. Das Engagement des russischen Severstal-Eigners Alexej Mordaschow bei Tui nennt er dabei immer wieder als Vorbild.

Nun zeichnet sich ein Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats des Reisekonzerns ab: Mangold soll im Februar 2011 Dietmar Kuhnt beerben. Das wird aus dem Tui-Umfeld berichtet. Das Unternehmen wollte die Informationen auf Anfrage nicht bestätigen. Mangold sagte dem Handelsblatt: „Ich stehe zur Verfügung.“

Die Berufung Mangolds als Nachfolger des Ex-RWE-Chefs Kuhnt erscheint logisch: Der 67-jährige Mangold kennt Tui-Chef Michael Frenzel seit Jahren, vor allem aber ist er mit Tui-Großaktionär Mordaschow befreundet. Der Stahlbaron ist größter Anteilseigner und seit Jahren mit Mangold Vertreter in der Strategischen Arbeitsgruppe der deutschen und der russischen Regierung. Mangold war als Aufsichtsratsmitglied erst dieses Jahr von Frenzel gegen den Willen des streitbaren Großaktionärs John Fredriksen durchgesetzt worden. Dieser wollte seinen eigenen Mann, Olav Troim, platzieren. Doch das misslang.

Mangold ist nicht nur bei Tui mit den Russen an Bord: Seiner privaten Internationalen Wirtschaftsberatungsgesellschaft wird nachgesagt, bei der geplanten Übernahme von Opel durch den österreichisch-kanadischen Kfz-Zulieferer Magna und den russischen Oligarchen Oleg Deripaska Strippen gezogen zu haben. Zudem beriet er den Billigstromanbieter Teldafax, der seit Wochen wegen angeblicher Insolvenzverschleppung in den Schlagzeilen ist.

Ab Dezember übernimmt beim Ost-Ausschuss Metro-Chef Eckhard Cordes den Vorsitz, Aufsichtsrat beim Handelriesen ist: Mangold.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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