Klaus-Peter Müller
Alles Müller, oder: Die Tage des guten Bankers

Das Land schmäht seine Banker, Kanzlerin und Finanzminister machen mit. Einen aber nehmen sie aus: Klaus-Peter Müller, lange Jahre Chef der Commerzbank. Er ist gefragt wie nie. Und kämpft an vielen Fronten.

Der Webcam entgehen sie nicht, die wichtigen Momente, ihm also auch nicht.

Wie klein die Welt wirkt, wenn man sie von hier oben, dem 48. Stock, aus betrachtet und wie erhaben dagegen das Objekt, das er jeden Tag mit Hilfe der Kamera beobachten kann. Dieser Jungfalke, der da auf dem Tower seiner Bank wohnt. Er hat ihn Falko genannt. Seine Mitarbeiter hatten vorgeschlagen, den Falken Klausi zu nennen. Oder Klaus-Peter. "Da jagt der Klausi", hätten sie dann scherzhaft sagen können und hätten den Falken gemeint, aber auch ihren Chef. Ein angriffslustiger Falke, voller Kraft und Jagdinstinkt, zupackend: Es ist ein Bild, das Bankern gefällt.

Müller wollte nicht, dass der Falke heißt wie er. Es hätte doch sehr selbstverliebt gewirkt. Falko ist neutral. Ohnehin muss Müller sich nicht selbst loben. Nie war das überflüssiger als in diesen Tagen. Klaus-Peter Müller, 64, bis vor kurzem Chef und seither Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank, zudem Präsident des Bankenverbandes, ist eine Ausnahmeerscheinung. Er ist Banker, er ist beliebt, obwohl das eine das andere in diesen Tagen eigentlich ausschließt. Denn Deutschland schmäht die Superbanker, seit klar ist, dass die Finanzkrise nicht vor der Landesgrenze haltmacht - auch weil jede noch so kleine Landesbank im globalen Finanzcasino Geld verjuxt hat. Die Politiker in Berlin lassen in ihren Interviews kaum ein gutes Haar an der Branche. Nur einen nehmen sie aus, wenn sie die Hybris einer ganzen Kaste geißeln. Müller.

Klaus-Peter Müller ist der gute Böse. Das, was Josef Ackermann nicht war und nicht ist. Für den Sonntag hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre wichtigen Minister und führende Banker nach Berlin gebeten, um über ein zweites Konjunkturpaket zu sprechen. Die Einladungen sind noch nicht offiziell verschickt, aber es wäre sehr verwunderlich, wäre Müller nicht dabei. Er war auch dabei, als in Berlin der Rettungsschirm für angeschlagene Banken konstruiert wurde. Er und Ackermann. Der Unterschied war, dass Müller nicht hinterher gesagt hat, er würde sich schämen, das Staatsgeld in Anspruch zu nehmen. Es ist nicht der einzige Unterschied, der in den vergangenen Wochen deutlich geworden ist.

13. November, ein Donnerstagabend in Berlin. Der Bankenverband hat zur gesellschaftspolitischen Debatte, seinen jährlichen "Schönhauser Gesprächen", geladen. Apollosaal der Staatsoper. Dorische Säulen in Blassgrün mit blattgoldgeschmückten Kapitellen, hellgrün bespannte Tische. Drumherum stehen grauhaarige Herren mit Titeln, die auf der Liste dreimal mehr Platz brauchen als ihre Namen. Generäle sind da, Aufsichts- und Vorstandsvorsitzende, Geschäftsführer, Bundestagsabgeordnete. Ein Tusch würde gut passen zum Einzug des Bankenverbandspräsidenten.

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