Klaus-Peter Müller
Kämpfer in eigener Sache

Der Chef der Corporate-Governance-Kommission wehrt sich gegen Kritik. Die kommt derzeit nicht nur aus der Politik, sondern auch aus den eigenen Reihen, der Wirtschaft. Müller weiß sich normalerweise zu wehren. Doch seine Verteidigung wirkt derzeit geschwächt.
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DÜSSELDORF. Große Aufgaben hat er nie gescheut. Seit dem Sommer 2008 ist Klaus-Peter Müller Vorkämpfer für gute Unternehmensführung. Ein Amt im Auftrag der Regierung, das dem 66-jährigen Aufsichtsratsvorsitzenden der Commerzbank liegt. Denn seine Leidenschaft ist das Netzwerken zwischen Wirtschaft und Politik. So hat er die Debatte über Frauen in Führungsetagen mit angestoßen und getragen.

Doch inzwischen kämpft der Banker an anderer Front. Der Corporate Governance Kodex steht in der Kritik. Und damit auch Müller selbst, der die Kodex-Kommission für die Justizministerin leitet. Gestern sah sich Ministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FPD) gezwungen, Müller den Rücken zu stärken: Das Gremium sei mit "herausragenden Unternehmerpersönlichkeiten" besetzt. Anlass war die Übergabe des ersten Kommissionsberichts zum Stand der Dinge in Deutschland an die Regierung.

Müller weiß sich normalerweise zu wehren. Doch seine Verteidigung wirkt derzeit geschwächt. Sonst würde der gewiefte Banker nicht so sehr betonen, seine Kommission sei vom Bund überhaupt nicht beauftragt, die Führung einzelner Unternehmen zu bewerten, sprich, Vorschriften zu machen.

Querschüsse aus der Politik gegen Kodex und Kommission ist Müller gewohnt. Jetzt kommen sie aber auch aus den eigenen Reihen. Zuletzt von Lufthansa-Aufseher Jürgen Weber und BASF-Chefkontrolleur Eggert Voscherau.

Die altgedienten Manager halten den Kodex für überfrachtet. Voscherau stellt gar die Kommission infrage: "Alles muss ja ein Ende haben." Die Angriffe aus Wirtschaft und Wissenschaft richten sich zwar in erster Linie gegen ständige politische Einmischung. Doch sie treffen den 66-jährigen Müller.

Der hat es sich schließlich zur Aufgabe gemacht, den Kodex aus der Defensive seines Vorgängers Gerhard Cromme in die Offensive zu führen. Der 67-jährige Cromme - heute Aufsichtsratschef von Siemens und Thyssen-Krupp - war der erste Kommissionschef und musste sich des Vorwurfs erwehren, zu spät auf gesellschaftliche Erwartungen an Manager und Aufsichtsräte zu reagieren. Das sollte Müller nicht passieren. Kaum im Amt, setzte er das Thema Frauen in Führungspositionen. Seitdem hat sich einiges getan. SAP, Siemens oder Eon machten Ernst und holten Frauen in den Vorstand.

Trotzdem könnte genau dieses Thema Müller zum Verhängnis werden. Denn Frauenquoten für Vorstände oder Aufsichtsräte, wie Norwegen sie etwa vorgibt, drohen auch in Deutschland. Je näher die nächste Bundestagswahl rückt, desto brisanter wird es für Müller.

Das weiß auch die Ministerin. "Wer die Empfehlungen der Kommission zur Frauenbeteiligung kritisiert, der riskiert, dass stattdessen eine gesetzliche Regelung kommt", warnte sie gestern. Doch zuerst kommt der Druck bei Müller an. Der ahnt die Gefahr. Schließlich hat Berlin schon zweimal in die Kompetenz der Kommission eingegriffen. Käme die gesetzliche Frauenquote, gilt sein Rückzug als Kommissionschef als ausgemacht.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

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  • "Vorkämpfer für gute Unternehmensführung" ?! Der Autor dieses Artikels sollte sich mal an den Kopf fassen. Herr Müller ist maßgeblich für den Niedergang der Commerzbank sowie die faktische Enteignung tausender Kleinaktionäre verantwortlich. Für die Staatshilfen in Milliardenhöhe hat die Commerzbank bisher nicht einmal die Zinsen gezahlt, an eine Rückzahlung ist auf absehbare Zeit nicht zu denken. Eine beleidigung für jedes ordentlich geführte Unternehmen und jeden anständigen Steuerzahler.

  • Müller hat gemeinsam mit blessing bei der Commerzbank komplett versagt. Die bank ist ohne den Staat pleite. Das muß man sich einmal vorstellen! Und jetzt macht der Herr einen auf bürokratischen Amtsschimmel (passend zum Haarschopf). Man faßt es nicht. Wie man sich als Unternehmenslenker zu benehmen hat, sollte eigentlich jeder selbst wissen. Wenn ich z.b. Siemens-Vorstand wäre, und jemand käme mit so einem buch da an, den würde ich nicht mehr für voll nehmen, ganz im Ernst. Aber deutsche Vorstände machen ja jeden Mist mit, Hauptsache wieder Publicity. Wir brauchen aber keine neue bibeln, wir brauchen Vorbilder, wie z.b. den Unternehmer Wolfgang Grupp. Aber jetzt bekommen die "Super-Vorstände" noch ein Handbuch serviert, von jemandem, der vor allem dadurch aufgefallen ist, daß er die Aktionäre der Commerzbank um viel Geld gebracht hat!

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