Klaus-Peter Schulenberg ist einer der größten Ticketverkäufer
Kühle Geschäfte mit heißer Popmusik

Eigentlich wurde ihm schon mit 14 klar gemacht, wo seine Talente liegen. „Ihr seid so schlecht und habt trotzdem so viele Auftritte – kannst du nicht auch uns managen?“ nölte ein sichtlich angenervter Musikerfreund den Gymnasiasten Klaus-Peter Schulenberg an.

BREMEN. Der war damals Mitglied und rühriger Manager einer Schülerband, die heute keiner mehr kennt. Das mit dem öffentlichen Musizieren hat Schulenberg dann auch konsequent gelassen. Das Managen dagegen hat er zum Hauptberuf erkoren. Heute ist er Mehrheitsaktionär und Vorstandschef der CTS Eventim AG, einer der führenden deutschen Ticketvermarkter und Konzertveranstalter. Der 52-jährige Bremer erzielte mit CTS im vergangenen Geschäftsjahr insgesamt einen Umsatz von 160 Millionen Euro.

Heute gehören Konzertveranstalter wie Marek Lieberberg, Peter Rieger, Semmel Concerts und Argo Konzerte zu seiner Firmengruppe, die vor rund drei Jahren erst bescheidene 20 Millionen Euro umsetzte. Nach einem Börsengang, der die Mittel zur rasanten Expansion in die Kassen spülte, legt sich Schulenberg frech mit dem einst uneinholbar scheinenden Branchenriesen Deutsche Entertainment AG an.

Langsam wird die Musikszene aufmerksam auf den im Gespräch eher gemütlich wirkenden Norddeutschen. Zunächst sei aber nach dem Abitur der Wunsch groß gewesen, mal was „Anständiges“ zu werden, erzählt er in einem Nobelrestaurant an Hamburgs Jungfernstieg. Der Sohn eines Kaufmanns aus Lippstadt will Wirtschaftsanwalt werden, studiert also BWL und Jura.

Doch da drängt sich ein Junge mit der Mundharmonika dazwischen: „Direkt von einer Bühne in der Nähe von Minden herab“, erinnert sich Schulenberg. Er macht 1971 mit dem unbekannten Sänger namens Bernd Clüver einen Vertrag, den noch Schulenbergs Vater unterschreiben muss – der Sohn ist noch nicht volljährig. Ein Glückstreffer. Das Geld verjubelt Schulenberg nicht, sondern investiert es nach solider hanseatischer Manier in die eigene Firma, eine Konzertagentur. Sein Studium lässt er sausen.

Sein erstes Mega-Event ist ein Konzert der „Rolling Stones“ in Bremen, das der Newcomer 1977 mit der Branchenlegende Fritz Rau organisieren darf. Um 20 Uhr soll es anfangen, um 22.30 Uhr lungern Mick Jagger & Co. noch immer in den Garderoben herum. Der ausverkaufte Saal tobt, Schulenberg schwitzt. Letztlich geht dann aber doch noch alles über die Bühne.

Aber er setzt nicht nur auf das Musikgeschäft. Er gründet oder übernimmt Unternehmen aus verschiedenen Branchen, darunter ein Call-Center, eine Messegesellschaft und Anzeigenblätter in den Regionen Bremen („Weser Report“) und Magdeburg. Seine KPS-Gruppe beschäftigt heute etwa 400 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von rund 75 Millionen Euro.

Doch die Musik lässt ihn letztlich nicht los. Dem Konzertveranstalter und bekennenden Kammermusik-Fan (Dumky Trio, Antonin Dvorak; Geistertrio, Ludwig van Beethoven) fehlt noch das Ticketgeschäft. So kauft er den defizitären Kartenvermarkter CTS von den Veranstaltern Lieberberg, Matthias Hoffmann und Marcel Avram. Er krempelt das Unternehmen um: „Schon 1997“, erzählt er heute stolz, „haben wir schwarze Zahlen geschrieben.“

Das passt zu Schulenberg, den Weggefährten und Branchenkenner als einen unauffälligen, harten und manchmal extrem ungeduldigen Arbeiter beschreiben. Die Gemütlichkeit des eher kleinen, gesetzten Mannes hat Grenzen. Wenn jemand Fehler „schönreden“ wolle, könne er schon mal „explodieren“, gibt er zu und dass er gerne das Heft in der Hand hält: „Entscheiden muss zum Schluss einer.“

Großes Getue ist dem norddeutschen Unternehmer fremd, der mit seiner Lebensgefährtin und zwei erwachsenen Kindern in einem alten, reetgedeckten Haus in Bremen lebt. „In unserem Business geht es um die Stars, die im Rampenlicht stehen, nicht um uns“, stapelt er tief – vergisst aber nicht, auch den Grund dafür zu erwähnen: Im Konzertgeschäft geht es um viel Geld. Die Finanziers, darunter auch große Versicherungen und Banken, legten Wert auf Seriosität.

Viva-Media-Chef Dieter Gorny, eher jemand, der die Öffentlichkeit sucht, dazu: „Schulenberg tritt wirklich nur selten öffentlich auf. Aber wenn, dann macht er es richtig.“ So wie in diesem Sommer, als er rund 100 Gäste zum legendären Stones-Konzert in den Münchener Circus Krone einlud. Diesmal war es ihm egal, wann die Band anfing.

Für den bis dahin selbstständigen Unternehmer war der Börsengang der CTS Eventim vor rund drei Jahren eine Zäsur. Und was hat ihn da am meisten beeindruckt? „Die Stundensätze der Wirtschaftsprüfer und Anwälte“, antwortet er auf seine trockene Art. Wie andere Neue-Markt-Firmen erlebt die CTS-Aktie danach Hochs und üble Tiefs. Doch jetzt, meint er, ist das Gröbste überstanden. Der Kartenverkauf über das Internet wachse und beginne, sich zu rentieren.

Zu den Tiefpunkten seiner Karriere gehört zweifelsfrei eine KPS-Beteiligung an der Betreibergesellschaft des Musicals „Hair“ in Bremen. Nach einer öffentlichen Schlammschlacht mit der Lokalpolitik stößt er die Beteiligung ab. Der Bremer Senat habe Zusagen nicht eingehalten, wetterte er. Schulenberg wolle sich wegen eines drohenden Konkurses aus der Verantwortung stehlen, schimpften Kritiker.

Von solchen Nackenschlägen erholt er sich gerne in Italien. Seit 25 Jahren fährt er an den Lido von Venedig – und das soll auch in Zukunft so bleiben. „Nirgendwo gibt es diese Mischung aus Emotion, Kultur, Shopping und Strandleben“, schwärmt er. Obwohl er gerne mal eine kurze Auszeit auf der Hawaii-Insel Maui nimmt. Selbst ein unterkühlter Bremer Kaufmann hat so seine kleinen Leidenschaften.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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