Klaus Schwab
„Ich sehe mich fast als Künstler“

Unten in der Stadt glitzert und leuchtet es in den Läden. Genf ist seit Jahrhunderten die Stadt edler Uhren. Isaac Rousseau gehörte etwa zu jener Zunft, die hier teure Zeitmesser per Hand fertigte. 1712 wurde sein Sohn Jean-Jacques hier geboren und entwarf in seinem elenden Leben im Schatten der Alpengipfel die Vision einer neuen Gesellschaftsordnung.

HB GENF. Wer links des Genfer Sees die Route de la Capité hinauffährt, der riecht den frisch gemähten Rasen eines Golfplatzes. Dahinter führt eine schmale Auffahrt zu einem schweren Stahltor. Dahinter pocht das Herz der Globalisierung, und es trägt einen deutschen Namen: Prof. Dr. Dr. Klaus Schwab.

Ihm gelingt es Jahr für Jahr, 2 000 Persönlichkeiten aus Weltwirtschaft, Weltpolitik und Weltgesellschaft für eine Woche in die Graubündener Berge zu locken, nach Davos zum „World Economic Forum“.

Davos. Weltgeschichte wurde hier gemacht, Welttrends wurden hier entdeckt, hier prallte Europas Elite erstmals auf die Gurus des Internet-Zeitalters. Schwab, der Gründer des Forums, sagt: „Wir wollen eine globale Gemeinschaft bilden, eine weltweite Vernetzung zwischen den Entscheidungsträgern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien.“

Das hat er geschafft. Die Erfindung der „Weltmarke“ Davos macht Schwab zu einem der erfolgreichsten, aber auch ungewöhnlichsten Unternehmer, die Deutschland hervorgebracht hat. Nicht in Umsatz und Gewinn berechnet sich sein Erfolg, sondern in Ideen und Einfluss, in Meinungsführerschaft und Kontakten. Schwabs Markt sind die Gehirne der Weltelite. Und da ist er so etwas wie der Weltmarktführer.

Das hat ihm auf der einen Seite der Gesellschaft den Ruf des Vordenkers eingebracht. Von Globalisierungsgegnern hingegen wird er angefeindet. Für sie ist das World Economic Forum die Speerspitze des Kapitalismus. Schwab gefällt das dennoch ganz gut. „Davos ist Konfrontation“, sagt er. „Und das soll auch so sein.“

In seinem Hauptquartier in Genf erscheint die Globalisierung so wie in Lehrbüchern: als erstrebenswerter Endzustand. Asiatische und europäische Baustile fließen harmonisch ineinander. Der Boden aus Schiefer, das Holz rötlich-braun, durch die riesigen Glasflächen schimmert das Licht des Genfer Sees.

Die Eine Welt ist hier lebendig. Junge Inderinnen plaudern mit einem Dozenten aus England, ein Franzose raucht im japanisch anmutenden Garten eine Zigarette, an den Wänden hängen zeitgenössische Gemälde aus allen Kontinenten. „Committed to improving the state of the world“, das Motto des Weltwirtschaftsforums, hier lebt es.

Schwab kommt gerade aus Jordanien. Er ist ein quecksilbriger Mann, aber nicht quirlig, mit wachen Augen, die aber an diesem Tag durch eine Allergie gerötet sind. Gegen klimatische Umstellungen ist auch der globale Mensch nicht immer gefeit.

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