Management
Klaus Volkert: Gelernter Schmied stand VW-Betriebsrat 15 Jahre vor

Klaus Volkert gehörte jahrzehntelang zu den mächtigen Männern bei Volkswagen: Als Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates vertrat er die Stimme der Arbeitnehmer - die Macht der Gewerkschaften und des Betriebsrates ist traditionell groß bei dem Wolfsburger Autobauer.

dpa HANNOVER. Klaus Volkert gehörte jahrzehntelang zu den mächtigen Männern bei Volkswagen: Als Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates vertrat er die Stimme der Arbeitnehmer - die Macht der Gewerkschaften und des Betriebsrates ist traditionell groß bei dem Wolfsburger Autobauer.

Der 62-Jährige und gelernte Schmied kam 1969 zu VW nach Wolfsburg und startete dort als Mechaniker. Bei Europas größtem Autobauer absolvierte er eine klassische Gewerkschaftskarriere: Vom Vertrauensmann der IG Metall (1970) zum Betriebsrat (1978) und Mitglied des geschäftsführenden Betriebsausschusses (1986) bis an die Spitze des Gesamt-Betriebsrates (1990).

Dort war Volkert an der Entwicklung vieler Beschäftigungs-Modelle beteiligt, die bundesweit für Aufsehen sorgten: So wurde 1993 die 4-Tage-Woche bei VW eingeführt und damit die Entlassung von bis zu 30 000 Mitarbeitern verhindert. Das Modell war denkbar einfach: Alle Beschäftigten arbeiteten nur noch 28,8 Stunden statt zuvor 36 und verzichteten auf etwa 15 Prozent ihres Einkommens.

2001 war Volkert auch am Projekt „5 000 mal 5 000“ beteiligt, mit dem neue Jobs für Arbeitslose geschaffen werden sollten: 5 000 Langzeitarbeitslose sollten für je 5 000 D-Mark Monatslohn eingestellt werden - insgesamt gesehen war das deutlich weniger als der reguläre Haustarif bei Volkswagen. Doch ohne „5 000 mal 5 000“ stand bei VW die Drohung im Raum, den Compakt-Van Touran in einem Billiglohnland zu produzieren. Für die Entwicklung der diversen Sozialkonzepte, an denen Volkert beteiligt war, verlieh die Uni Braunschweig dem Betriebsratschef vor drei Jahren den Ehrendoktor-Titel.

Volkert repräsentiert den klassischen Arbeiterführer: Seinem Auftreten fehlen die gedrechselten Sätze der Manager, seine Sprache ist einfach und klar, direkt, bisweilen derb. In der Affäre um SPD- Abgeordnete, die neben ihren Diäten jahrelang ihr Gehalt von VW weiterbezogen, griff Volkert die CDU-geführte niedersächsische Landesregierung scharf an und warf ihr eine Kampagne gegen Volkswagen, gegen die Gewerkschaft und die Sozialpartnerschaft vor.

In der Belegschaft war der 62-Jährige geachtet, doch zuletzt auch nicht mehr unumstritten. Der häufigste Vorwurf lautete, Volkert habe im Laufe der Jahre eine zu große Nähe zu den Vorstandsmitgliedern des Autokonzerns wie Personalchef Peter Hartz entwickelt. Nun tritt der Betriebsratsvorsitzende überraschend knapp ein Jahr vor seinem bisher geplanten Ausscheiden aus dem Konzern ab.

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