Klaus Volkert
Sein tiefer Fall

Er war der mächtigste Arbeitnehmervertreter im Land – bis er über die "VW-Affäre“ stolperte. Ab Donnerstag steht Klaus Volkert vor Gericht. Doch ehemalige Verhandlungspartner, einstige Weggefährten und nicht zuletzt Volkes Stimme haben ihn schon längst verurteilt.

DÜSSELDORF. Das Urteil über Klaus Volkert ist längst gefällt – "selbst schuld“. Das sagt nicht nur Volkes Stimme, nachdem immer mehr Details der VW-Affäre ans Tageslicht gekommen sind. Diesem Urteil schließen sich auch viele ehemalige Verhandlungspartner und einst wohlmeinende Weggefährten an.

Immer wieder erzählen Besucher von dem großen Eindruck, den ein Besuch bei dem einst mindestens so machtbewussten wie tatsächlich mächtigen langjährigen Gesamtbetriebsratschef von Europas größtem Autobauer bei ihnen hinterlassen hat. Viele Berichte handeln von einem "selbstzufriedenen Aufsteiger“, der wohl in jeder Beziehung die Puppen tanzen ließ. Je wichtiger Volkert sich genommen habe, desto größer sei sein Statusbewusstsein geworden. So habe ein Termin in seinem Büro einer Audienz geglichen. "Dagegen waren viele Top-Manager unprätentiös im Umgang“, sagt ein IG-Metall-Funktionär. "Stolz prahlte Volkert, wer auf seinem Besucherstuhl schon alles um Hilfe bei Auftragsentscheidungen gebeten hat.“

Es scheint genau dies die Keimzelle zu sein, aus der die unappetitliche Affäre erwuchs: Die einzigartige Wolfsburger Mischung aus realer Bedeutung des Betriebsrats und selbstherrlichem Machtanspruch. Mehr noch: Die Mesalliance wurde verherrlicht, Volkert präsentierte sich als weitsichtiger "Ko-Manager“, der das Wohl von Belegschaft und Unternehmen gleichermaßen berücksichtigte.

Rückendeckung kam zumindest vom damaligen Personalvorstand Peter Hartz, dessen findige Mitarbeiter ein Händchen dafür hatten, die aus der Not geborenen Arbeitszeitmodelle als geniale Innovationen feiern zu lassen. In seinem Prozess hat der vom Chefsessel auf die Anklagebank verbannte Hartz zugegeben, Volkert mit Sonderbonuszahlungen in Millionenhöhe "gekauft“ zu haben.

Hartz-Anwalt Egon Müller sprach davon, Volkert habe bei anstehenden wichtigen Entscheidungen "Hunderttausende“ hinter sich bringen können. "Ein Mann wie Volkert verfügte über Charisma“, sagte der Spezialist für Wirtschaftsrecht. Hartz habe dies erkannt – "und das hat er eingekauft“. Es sei dem VW-Personalvorstand dabei um "Klimapflege“ gegangen, so der Anwalt. Der VW-Manager selbst erhob in seinem Geständnis schwere Beschuldigungen gegen Volkert. Der Betriebsratschef habe "deutlich verstehbar zum Ausdruck gebracht“, dass er mehr Geld wolle.

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