Klaus Zumwinkel
Zumwinkel und die „Liechtensteiner Grippe“

Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel meldet sich zur Hauptversammlung des Essener Handels- und Touristikkonzerns Arcandor krank. Er wird aber wieder in den Aufsichtsrat gewählt, trotz der Ermittlungen in der Liechtensteiner Steueraffäre. Viele Aktionäre protestieren.

DÜSSELDORF. Wohl nur selten darf ein Aufsichtsrat mit tosendem Applaus der Aktionäre rechnen, wenn er sich auf der Hauptversammlung seines Konzerns vor der Verantwortung drückt und lieber zu Hause bleibt.

Klaus Zumwinkel hat es nun geschafft. Die Absage des der Steuerhinterziehung Verdächtigten, der sich überraschend zur Wiederwahl in das Kontrollgremium von Arcandor bewarb, quittierten gestern die Anteilseigner in der Düsseldorfer Stadthalle mit höhnischem Beifall.

Offiziell ließ sich der ehemalige Post-Chef wegen einer Erkrankung entschuldigen. Für Arcandor offenbar keineswegs überraschend: Einen Platz auf dem Podium hatte man für Zumwinkel erst gar nicht vorgesehen. Unten im Parkett lästerten Anteilseigner, den Aufsichtsrat habe die „Liechtensteiner Grippe“ erwischt.

Schon im Vorfeld der Versammlung hatten einige ihre Bedenken dem Aufsichtsratschef Hero Brahms per Post zugestellt. Kleinaktionär Karl Schwan etwa wettert gegen den „mutmaßlichen Gesetzesbrecher und ausgewiesenen Schwarzgeldspezialisten, der die Führungselite in Misskredit gebracht hat“. Arthur Franzen warnt, die „öffentliche Akzeptanz der Millionen Kunden der Unternehmensgruppe“ aufs Spiel zu setzen. Ein Aktionär, der seinen Antrag mit Heiner Frisch unterschreibt, erinnert den Essener Konzern an den eigenen Wahlspruch: „Creating Value“ – zu Deutsch: Werte schaffen.

Der lautstarke Protest nutzt den Kleinaktionären gestern aber nichts. Mit ihren 56 Prozent Stimmanteilen bestimmt Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz den Aufsichtsrat fast im Alleingang. Und Zumwinkel hat bei der Erbin des Quelle-Gründers Gustav Schickedanz offenbar einen dicken Stein im Brett, seitdem er vor Jahren als Vorstandschef ihr Versandhaus leitete. Konzernbeobachter glauben zudem, dass zwischen Arcandor und der Deutschen Post Absprachen bestehen, deren Vertraulichkeit durch eine Trennung von Zumwinkel nicht gefährdet werden sollen. Arcandor hatte 2005 seine Warenhaus-Logistik und die Groß- und Stückgutauslieferung der Versandhandelstöchter Quelle und Neckermann für 200 Millionen Euro an die Post-Tochter DHL verkauft. Im Gegenzug sicherten die Essener DHL einen Dienstleistungsvertrag über zehn Jahre zu – bei einem jährlichen Geschäftsvolumen von 500 Millionen Euro.

So stand bereits vor dem Aktionärstreffen fest, dass der ehemalige Post-Chef für fünf weitere Jahre die Geschicke des vormals unter Karstadt-Quelle firmierenden Handels- und Touristikkonzerns beaufsichtigen wird. Und das, obwohl selbst die sonst eher zurückhaltenden Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) gestern zu deutlichen Formulierungen griffen. „Wir sollten uns unser Image nicht versauen lassen“, polterte DSW-Handelsexperte und Arcandor-Aktionär Marc Tüngler.

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