Klemens Waterkotte
Der späte Erfolg eines Tüftlers

Fast wirkt es, als sei Klemens Waterkotte selbst noch überrascht. Fast 30 Jahre lang hat er auf den Durchbruch seiner Erd-Wärmepumpen gewartet. Nun beschert die Energiekrise ihm und seiner einstigen Nischentechnik einen Wachstumsrekord nach dem anderen.

KÖLN. An den Tisch gelehnt, einen Stapel frisch gedruckter Broschüren jederzeit greifbar, erzählt Klemens Waterkotte vom plötzlichen Boom im Wärmetauscher-Geschäft - und lässt im Eifer seinen Kaffee kalt werden. "Es geht sehr rasant hoch", sagt er, und zeichnet eine steile Kurve aufs Papier. "Das Unternehmen wächst jährlich um 40 Prozent." Auf dem Feld der Wärmetauscher gehört die Waterkotte heute mit einem Umsatz von 40 Millionen Euro zu den ganz Großen im Geschäft.

Vor kurzem sah das noch völlig anders aus. Da galten Wärmetauscher als teures Spielzeug für Freaks, und Klemens Waterkotte war ein Exot. Wärmepumpen sind nämlich so etwas wie der Hybridmotor der Gebäudeheiztechnik: Lange Zeit belächelt, doch mit einem Mal in aller Munde. Während gewöhnliche Heizkessel fossile Brennstoffe wie Öl und Gas verfeuern, holt sich die Wärmepumpe ihre Energie aus dem Boden - und spart dabei bis zu zwei Drittel an Energie.

Während sich nun auch die Großen der Branche auf die Technik stürzen, blickt Klemens Waterkotte, Jahrgang 1933, bereits auf ein halbes Leben mit der Wärmepumpe zurück. Tüfteleien waren es, mit denen sein Unternehmen begann. Ende der Sechziger, er war in der Kältetechnik tätig, bekam Klemens Waterkotte einen ungewöhnlichen Auftrag: Auf einer Baustelle am Münchener Stachus sollten Löcher für die Säulen einer neuen U-Bahn-Station gebohrt werden. Und um das Ausheben des Erdreichs leichter zu machen, sollte Waterkotte es einfrieren.

"Mich wunderte", erinnert sich Waterkotte, "welche unglaublichen Mengen an Wärme da drin steckten." Die, dachte er, müsste man doch irgendwie nutzen könnten. Schon war die Idee zu einer neuartigen Gebäudeheizung geboren. Wenig später hatte Waterkotte den Prototypen seiner Wärmepumpe konstruiert. Wo ihre Rohrleitungen hinlangen, herrschen ganzjährig milde 15 Grad Celsius. Das ist genug Wärme, um per Kompressor und Verflüssiger ein ganzes Haus mit Heizung und Warmwasser zu versorgen - zu geringen Energiekosten. Nachdem Klemens Waterkotte das in einem Einfamilienhaus praktisch bewiesen hatte, gründete er 1976 in Herne, in der Nähe seines Geburtsortes, die Waterkotte

Bis in die Neunziger Jahre interessierte sich kaum jemand für seine sparsame Heiztechnik. Die Heizkessel-Hersteller ignorierten seine Ideen. Die Umsätze dümpelten vor sich hin. Den meisten potenziellen Kunden erschienen die Installationskosten für die Sonden und die Anlage viel zu hoch. Dann kletterten die Gaspreise, CO2 geriet in aller Munde, und die russische Gazprom sorgte ausdauernd für Schlagzeilen. Das Blatt wendete sich. Die Deutschen schauten sich ihre Heizkostenabrechnungen sorgfältiger an. Und mit einem Mal standen sie alle bei Klemens Waterkotte Schlange.

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