Knatsch mit Pariser Zentrale
André Witschi verlässt Accor im Streit

Deutschland-Chef André Witschi verlässt den Hotelriesen Accor im Streit. Witschi soll in Paris in Ungnade gefallen sein, weil er sich Plänen der Zentrale zur Unternehmensorganisation widersetzt habe.

DÜSSELDORF. Der französische Hotelkonzern Accor trennt sich überraschend von seinem Deutschland-Chef André Witschi. Der 57-jährige gebürtige Schweizer scheidet offiziell im besten Einvernehmen aus. Doch Brancheninsider sprechen von schweren Zerwürfnissen zwischen der Pariser Zentrale des viertgrößten Hotelkonzerns der Welt und dem Top-Manager seiner deutschen Tochter, der größten Auslandsgesellschaft des französischen Konzerns.

Die Accor Deutschland, bei der Witschi seit 2003 Vorsitzender der Geschäftsführung war, ist mit den Hotelketten Sofitel, Mercure, Novotel, Ibis, Etap mit Abstand größter Bettenanbieter im Lande und hat zudem in diesem Jahr einen Teil der Dorint-Hotels übernommen. Witschi hatte den Einstieg der Franzosen bei Dorint behutsam vorbereitet.

Auf der Gründungshauptversammlung der für die rund 40 Häuser gegründeten „New Gen AG“ am vergangenen Montag im Berliner Schweizerhof saß Witschi noch als Sprecher des Vorstandes der neuen Gesellschaft am Vorstandstisch. In der Hotelbranche kursierten jedoch schon länger Gerüchte über einen vorzeitigen Abgang des profilierten Hotelmanagers.

So spekulierte der Newsletter „Hospitality Inside“ bereits, dass Witschi in Paris in Ungnade gefallen sei, weil er sich Plänen der Zentrale zur Unternehmensorganisation widersetzt habe. So habe er sich den Zorn des Accor-Vorstandes für Nord-, Zentral- und Osteuropa, Michael Flaxman, zugezogen. Dieser, so der Dienst, von Insidern als „schwieriger Engländer“ bezeichnet, soll nun kommissarisch das Deutschland-Geschäft führen, teilte Accor mit. Witschi werde sich neuen Aufgaben außerhalb des Konzerns widmen.

Branchenkreise erwarten, dass der international erfahrene Hotelier sich – ausgestattet mit einer guten Abfindung – als Berater niederlassen wird. Seine fachlichen Erfahrungen gehen zurück in die Kindheit, denn seine Eltern betrieben das Bahnhofsrestaurant im Schweizer Städtchen Wetzikon. Seine berufliche Karriere startete Witschi bei Mövenpick, bevor er 1991 zu Accor wechselte.

Im Unternehmen galt er – von vielen nur „André“ genannt – als in der Sache knallharter, aber sehr umgänglicher Chef, der via Intranet für jeden der 12 000 Mitarbeiter in Deutschland für einen Chat erreichbar war. In der Hotel- und Touristikbranche ist Witschi führendes Mitglied in vielen Verbänden und Institutionen. Er gehörte im vergangenen Jahr zu den maßgeblichen Hoteliers, die das Bettenangebot zur Fußball-Weltmeisterschaft organisierten.

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