Königliche Porzellan Manufaktur
Der Banker und die Porzellanmanufaktur

Einst war Porzellan in Europa so begehrt wie Gold, heute kämpft die traditionsreiche Königliche Porzellan Manufaktur in Berlin ums Überleben. Doch dann kam ein Banker mit Fantasie und machte sich daran, das altehrwürdige Unternehmen wieder nach vorn zu bringen. Und seine Chancen sind nicht so schlecht.

BERLIN. Die Zutaten schimmern alle weißlich grau und sind verpackt in großen Säcken. Unscheinbar und schwer stehen die in dem Haus in der Wegelystraße 1 nahe dem Berliner Tiergarten. Kaolin, Feldspat und Quarz heißen die Grundstoffe, aus denen nach unzähligen Arbeitsschritten Porzellan wird, das mehrere Jahrhunderte Hitze, Wasser und Säure trotzen kann.

Seit rund 250 Jahren stellen die Kunsthandwerker der Königlichen Porzellan Manufaktur (KPM) hier Gipsformen her, gießen Teller, Tassen und Henkel, heizen Öfen, glasieren Vasen, schneiden Körbe und bemalen von Hand edle Geschirre.

Februar 2006: Die 161 Manufakturmitarbeiter haben kaum noch Hoffnung, dass KPM zu altem Glanz zurückfindet. 1751 von einem Fabrikanten gegründet, erlebte KPM sieben Könige und allein in den vergangenen zwölf Jahren neun Geschäftsführer. 2004 scheitert der Versuch, die staatliche Firma zu privatisieren. Das Geschäft läuft schlecht, die Pleite droht.

Dann bekommt Bankier Jörg Woltmann eine einmalige Gelegenheit. Der geschäftsführende Gesellschafter der Allgemeinen Beamten Kasse hatte 2004 Franz Wilhelm Prinz von Preußen einen Kredit gewährt, damit dieser die Mehrheit an der KPM vom Land Berlin kaufen konnte.

Doch der Urenkel des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. habe die Aufgabe unterschätzt, sagt Woltmann heute. "Und sich selbst überschätzt." Eine Pleite der KPM wäre für Woltmanns zwar "kein wirkliches Problem gewesen". Er habe aber nur eine Woche überlegt und sich dann gesagt: "Ich bin nicht nur Banker, sondern vor allem Unternehmer." Er kaufte die KPM.

Woltmann wusste zwar wenig von der Porzellanherstellung, konnte aber rechnen: Die Manufaktur sollte drei Mill. Euro kosten, das Grundstück in Bestlage an der Straße des 17. Juni 10,5 Mill Euro. Rund fünf Millionen will er investieren. Alles aus seinem Privatvermögen, betont er.

Mit dem Geld will der Unternehmer die altehrwürdige KPM wieder nach vorn bringen. Der Jahresumsatz stagnierte zuletzt bei rund neun Mill. Euro, zu wenig für die Zukunftssicherung. 18 bis 20 Mill. Euro Umsatz lautet das Ziel, und in zwei Jahren will Woltmann mit seinem Geschäftsführer Winfried Vogler die Gewinnzone erreichen. Das wäre dann, so heißt es, das erste Mal nach mehr als siebzig Jahren.

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