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AIG und Goldman Sachs: Bankrotteure sind sich keiner Schuld bewusst

Mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein ist einer der Hauptverantwortlichen der Finanzkrise in seinen ersten öffentlichen Auftritt gestartet. Der Ex-Chef des Derivatehandels beim US-Skandalversicherer AIG und der Vize-Chef von Goldman Sachs sind sich keiner Schuld bewusst.

Keiner Schuld bewusst: Goldman-Vize Cary Cohn. Quelle: Reuters
Keiner Schuld bewusst: Goldman-Vize Cary Cohn. Quelle: Reuters

NEW YORK. Keinen Millimeter rückte Joseph Cassano, der den ehemals weltgrößten Versicherer AIG 2008 mit riskanten Derivategeschäften ruinierte, am Mittwoch von seinen Unschuldsbeteuerungen ab. Gemeinsam mit dem Vizechef von Goldman Sachs, Gary Cohn, musste er dem Untersuchungsausschuss des US-Parlaments zur Finanzkrise Rede und Antwort stehen. Die Krise habe Cassano überrascht, und er habe bei der Bilanzierung nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. "Ich war ehrlich, was die nicht realisierten Verluste anging", sagte er.

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Der Anfang 60-Jährige gilt vielen Beobachtern als der größte Schurke im Kapitalismuscasino, dessen Zusammenbruch die Welt 2008/2009 in die größte Krise seit den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts stürzte. Der New Yorker Kolumnist Matt Tiabbi nannte ihn in Anspielung an den ersten Krankheitsfall in einer Epidemie den "Patienten Nummer eins" des globalen Marktversagens.

Cassano leitet den in London beheimateten Derivatehandel von AIG, der sich mit Kreditversicherungen auf US-Hypotheken derart verspekulierte, dass der Gesamtkonzern 2008 mit 182 Mrd. Dollar vom US-Steuerzahler gerettet werden musste. Zum Vergleich: Das ist mehr, als die sechs US-Großbanken zusammen als Stütze von der US-Regierung bekamen.

Londoner Versteckspiel

Cassano, der sein Handwerk beim berüchtigten und mittlerweile untergegangenen New Yorker Spezialisten für Ramschanleihen, Broker Drexel Burnham Lambert, lernte, hielt sich seit seinem Rauswurf bei AIG in seinem Londoner Luxusapartment versteckt. Dank eines bei AIG zusammenverdienten Vermögens von 300 Mio. Dollar braucht er nicht mehr zu arbeiten.

Derzeit gibt es auch keine Anzeichen, dass er davon etwas wieder an den Konzern zurückzahlen muss. Denn sowohl die Finanzmarktaufsicht SEC als auch das US-Justizministerium stellten zuletzt die Ermittlungen gegen den Sohn eines einfachen Polizisten aus dem New Yorker Vorort Brooklyn ein. Und auch sein ehemaliger Arbeitgeber sprang ihm zur Seite. "Was damals passierte, war einfach so extrem, dass es jenseits dessen lag, auf das man sich vorbereiten konnte", sagte AIG-Finanzvorstand Robert Lewis. Damit dürfte der Untersuchungsausschuss die einzige Instanz sein, die Cassano für sein riskantes Verhalten zumindest öffentlich an den Pranger stellen kann.

Anhörungen sollen Monate dauern

Neben dem Verhalten Cassanos versuchte die Kommission auch, den Milliardenzahlungen von AIG an die Investmentbank Goldman Sachs nachzugehen. Goldman hatte fast 13 Mrd. Dollar - so viel wie keine andere Bank - von AIG als Sicherheiten für unter Wasser stehende Derivatekontrakte erhalten.

Kritiker werfen der Regierung vor, sie habe mit der Rettung von AIG Goldman mittelbar zu hohen Gewinnen verholfen. Goldman habe sich auf Kosten des Steuerzahlers bereichert. Gary Cohn, Nummer zwei der US-Investmentbank hinter Vorstandschef Lloyd Blankfein, beharrte vor der Kommission darauf, dass der Wall-Street-Primus sich korrekt verhalten habe. "Während jeder Marktteilnehmer von den Maßnahmen der Regierung profitierte, haben wir von Anfang an Schritte unternommen, um unsere Aktionäre zu schützen", sagte Cohn dem Untersuchungsausschuss laut Redetext.

Die Untersuchungskommission, die vom Ex-Finanzminister von Kalifornien, Phil Angelides, geleitet wird, beendet ihre Anhörungen erst in einigen Monaten.

  • 08.07.2010, 14:38 UhrAnonymer Benutzer: Politikerhasser

    ...aber jede Geduld geht auch mal zu Ende !

    Und ich denke, das Ende ist schon längst erreicht ... die Menschen gehen auf die Strassen !!!!!

    -> wenn auch nur zum Massenglotzen der schlecht spielenden National-Elf. Das ist ja wichtiger als die Zukunft aller !!

  • 08.07.2010, 14:14 UhrAnonymer Benutzer: Monika Harter

    Hallo Handelsblatt Team,

    danke für ihre Antwort, was mich aber schon längst sehr irritiert ist, daß im Handelsblatt kein Wort darüber verloren wird im bezug auf die Tatsache, daß am 24. Februar 2003 „Dad bank“ sorgt für Aufregung über das Treffen im bundeskanzleramt mit Gerhard Schröder, Finanzminister Hans Eichel, Wirtschaftsminister Wolfgang Klement mit Spitzenvertretern der deutschen banken und Versicherungen insbesondere Herr Achermann usw. stattgefunden hat. Hinzu kommen und die unverfrorenen Lügen von Michael Heinze im interview des MoneyMaker dreist behauptet: „Schließlich haben wir alle- auch die Ökonomen- das Ausmaß der Krise doch gar nicht vorausgesagt, noch nicht einmal ansatzweise geahnt. Alle wurden gnadenlos überrascht: die Unternehmen, die Politik und die Volkswirte.

    bei so viel Frechheit fällt einem wirklich nichts mehr ein.

    ich frage mich allen ernstes, wie ist es möglich daß diese Leute frei herumlaufen. Wo ist da der Staatsanwalt, wo der Richter?

  • 08.07.2010, 13:22 UhrAnonymer Benutzer: Monika Harter

    Kann man etwas anderes erwarten?
    ich bin sehr optimistisch, daß es für diese Leute trotzdem eine bittere Niderlage geben wird und das nicht nur in Amerika, sondern Weltweit.

    insbesondere was ihre Helfershelfer in der bRD und die bRD selbst betrifft.

    Es heißt nicht umsonst "Abends werden die Hennen gezählt" und wer zuletzt lacht, lacht am besten.

    Noch etwas Geduld, gut Ding will Weile haben.

    Frau Harter

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