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Amir Kassaei: Kreatives Chaos

Der hochdekorierte Werber hat mit DDB eine Ausnahmeagentur geschaffen. Aber jetzt rumort es kräftig. Mehrere Topleute gehen, der Co-Chef plant nun einen Radikalumbau. Künftig soll DDB vollständig integriert arbeiten. Dies wäre ein Novum in der Branche.

Das DDB-Doppelspitze: Amir Kassaei (links) und Tonio Kröger. Quelle: DDB
Das DDB-Doppelspitze: Amir Kassaei (links) und Tonio Kröger. Quelle: DDB

DÜSSELDORF. Andere würden sich ein Haus kaufen. Amir Kassaei, Kreativchef des Werbeagenturnetzwerks DDB und höchstdekorierter Werber der Welt, bevorzugt einen Rohbau. Die Komplettsanierung seines Altbaus am Prenzlauer Berg hat er lieber selbst in die Hand genommen. So, dass Stararchitekt Norman Foster neidisch wäre. Kassaei braucht das, die Herausforderungen. Die nächste wartet schon. Die Deutschland-Gruppe, die der gebürtige Iraner zusammen mit Tonio Kröger führt, ist eine Großbaustelle. Kassaei, der Hochdekorierte, der Tausendsassa, hat sehr viel Licht auf sich gezogen. So viel, dass in seinem Schatten keine starke zweite Reihe heranwuchs. Deswegen baut er seine Agentur, an der er auch Minderheitsanteile hält, nun um.

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Viele bisherige Statthalter, die im DDB-Reich einzelne Niederlassungen leiten oder wichtige Kunden betreuen, erweisen sich als zu schwach, um die ambitionierten Pläne der Chefs mit illustren Kunden wie Volkswagen, Henkel oder McDonald?s umzusetzen.

In den vergangenen Tagen hat DDB die Kreativführung der wichtigen Berliner Niederlassung, die etwa die Kommunikation von Volkswagen betreut, verloren. Auch Finanzchef Norbert Knapp wird die Agentur verlassen. Mit ihrem Abtritt sind die Berliner Kreativen, heißt es aus der Agentur, einem Rauswurf zuvorgekommen. Kassaei, der nicht nur höchste Ansprüche an sich selbst stellt, bei seinen Mitarbeitern wegen seiner Genialität geliebt und wegen seiner Cholerik gefürchtet ist, war genauso unzufrieden mit den seit Jahren gepamperten Kollegen wie Strategiemann und Ex-Daimler-Manager Kröger. Bereits im Mai hatte das Duo die Wiener Dependance umgekrempelt. Auch hier lief es nicht rund.

Wie dünn die zweite Reihe hinter den beiden Altvorderen besetzt ist, zeigt die jetzt gefundene, nur vorläufige Nachfolgelösung für die Gegangenen: Kassaei und Kröger führen die Standorte in Wien und Berlin selbst. Dabei leiden beide schon jetzt nicht unter Langeweile.

Kunden fordern anders arbeitende Agenturen

Zwar heißt es im Unternehmen, beide würden die Alltagsaufgaben delegieren. Trotzdem drängt sich der Eindruck auf: Die Agentur steht noch stärker im Schatten des Führungsduos. "DDB ist in den vergangenen sieben Jahren der beste kreative Laden der Branche geworden", sagt ein Konkurrent. "Aber Amir macht da zu sehr eine One-Man-Show."

Das Problem scheint erkannt. Das ist die andere Seite des Amir Kassaeis, jenes Werbers, der aus den Wirren des iranisch-irakischen Krieges, in dem er als Kindersoldat einst kämpfte, an die Spitze der europäischen Werbebranche marschierte und dabei weit mehr als 1  000 Auszeichnungen einheimste: Kassaei liebt zwar das Spiel mit der Öffentlichkeit, die starken Sprüche. Aber nicht zum Selbstzweck. Er gibt nur so weit den Dampfplauderer, wie es seiner Agentur dient - und hat mit Tonio Kröger einen stillen, klugen Gegenpart an seiner Seite, der ihn in seinem Selbstdarstellungsdrang zu bremsen weiß.

Künftig soll nun Platz für mehr als nur einen Star bei DDB sein. Kassaei verweist darauf, dass er die VW-Kommunikation in 34 Ländern selbst betreue, für den Sportartikelkonzern Reebok als Berater tätig sei und zig andere Kunden bespiele - also Entlastung willkommen sei.

  • 21.06.2010, 12:40 UhrAnonymer Benutzer: mono

    Ohne Zweifel hat Kassaei aus dem einstigen Mauerblümchen DDb etwas gemacht was niemand für möglich hielt. Hut ab!

    Die Probleme der grossen Netzwerk-Agenturen von Omnicon und WPP offenbaren sich aber anderer Stelle.
    Nachdem sich die Omnicon und Sir Martin Sorrell auf Pump Agenturen wie bbDO, DDb, TbWA, GREY einverleibt hatten, warten die jeweiligen investoren in den USA und Gb nun auf ihre Rendite und schöne Grüsse von Herrn Ackermann, 25% jährlich sollten es schon sein.
    Also musste getrickst werden. Zuerst wurde das Tafelsilber verkauft, dann wurden mit buchhalterischen Tricks, alle Kostenpositionen firmentechnisch ausgelagert, was 1-2 Jahre auf dem Papier auch gut aussah.
    Als das abgefeiert war, mussten teure Personalpositionen massiv durch billige Praktikanten ersetzt werden. Das Ergebnis ist bekannt.
    Jetzt spriessen plötzlich auch noch allerorten kleine, inhabergeführte Agenturen aus dem boden die den Grossen einerseits kreativ, insbesondere aber in der Preisgestaltung, gehörig zusetzen.
    Kundenseitig ist der blick auf die Preise geschärft. Die bereitschaft mit der eigenen Werbung die Rendite der grossen Netzwerke mitzufinanzieren, hält sich offenbar in Grenzen! Die Vorteile einer grossen Agentur relativieren sich und die Kunden merken, das Know How nicht zwingend allein in den grossen Häusern sitzt und woanders plötzlich alles auch für die Hälfte geht.

    Dieser Trend dürfte einige der grossen Werbe-Dickschiffe bald in bedenkliche Untiefen führen und in der deutschen Werbelandschaft noch für heftige Überraschungen sorgen.

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