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Anshu Jain: Zurückhaltender Vegetarier

Investmentbanker und Einkommensmillionär – Anshu Jain erfüllt viele Klischees eines Bankers. Doch der Co-Chef der Deutschen Bank gilt als zurückhaltend, unprätentiös und feiert bescheiden seinen 50. Geburtstag.

Der Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain. Noch verstehen sich die Deutschen und der Lenker der wichtigsten Bank des Landes nicht immer. Quelle: dpa
Der Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain. Noch verstehen sich die Deutschen und der Lenker der wichtigsten Bank des Landes nicht immer. Quelle: dpa

Frankfurt/DüsseldorfMut, „viel Gesundheit und vor allem Kraft in schweren Zeiten“, und „Erfolg beim Neuanfang“ wünschen die Handelsblatt-Leser dem noch recht neuen Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain zu seinem heutigen 50. Geburtstag.

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Einer hofft gar auf „25 Prozent Eigenkapitalrendite“ für den Co-Vorstandsvorsitzenden und spielt damit auf das Renditeziel des Ex-Chefs Josef Ackermann an, das Jain jüngst kippte. Damit fallen die Geburtstagsgrüße vergleichsweise freundlich aus für den britisch-indischen Chef der Großbank.

Nach mehreren Razzien wegen Steuerhinterziehung mit CO2-Zertifikaten, der Manipulation des Leitzinses Libor und Klagen geschädigter Kunden weltweit gegen das führende Geldhaus des Landes hätte auch deutlicher Kritik laut werden können. Ein Leser wünscht Jain immerhin ironisch eine Monopoly-Karte „Du kommst aus dem Gefängnis frei…“.

Das Leben des Anshu Jain

  • Wie „Slumdog Millionaire“?

    Das Leben von Anshu Jain hat mit diesem Märchen vom bettelarmen Ghettokind, das es zu Reichtum brauchte, nichts zu tun. Seine Eltern waren nicht reich, aber ein geordneter Wohlstand begleitete Jains Kindheit. Er besucht eine der besten Privatschulen Dhelis. Die Noten sind spitze, er studiert VWL, damals noch nicht um Banker zu werden, sondern um alles über „Wirtschaft und Finanzen zu verstehen“.

  • Aufenthalt in Kabul

    Jains Vater wurde als Staatsdiener häufig versetzt, so auch ein Jahr lang nach Afghanistan. Anshu Jain besuchte in der Zeit die indische Schule in Kabul. Das war, bevor die Rote Armee einmarschierte. Es entsteht eine gewisse Distanz zu seinem Heimatland: Die spezielle Form des Staatssozialismus mit all der irrsinnigen Bürokratie schrecken Jain ab. Er will diese Zustände hinter sich lassen.

  • Wie religiös ist Jain?

    Es kursieren viele Klischees über den Jainismus und die Art, wie Anshu Jain mit seinem Glauben umgeht. Er selbst bezeichnet sich als nicht sonderlich religiös. Die angedichtet Abstinenz ist Legende. Er mag ein gutes Glas Rotwein und seitdem er in Frankfurt wohnt auch Riesling. Vegetarier ist Jain nicht aus religiösen Gründen. Der Tierfreund will nicht, das andere Geschöpfe für ihn leiden.

  • Unabhängig von Besitz

    Immerhin hat ihm der Jainismus gelehrt, dass nur wer seine Sinne kontrolliert, im Berufsleben die höchsten Ziele erreicht. Dazu gehört eine enorme Disziplin und ein strenges Wertekorsett. Seine Eltern haben Jain vor allem mitgegeben, sich von unnötigem Besitz unabhängig zu machen. Das mag irritieren angesichts seines Gehaltes. Aber Jain protzt kein bisschen mit dem, was er hat. Im Gegenteil spendet die er umfangreich und gibt sich bescheiden. Die Millionen auf dem Konto sind laut Lehrmeinung mit dem Jainismus vereinbar, so lange der Co-Chef der Deutschen Bank anderen dient.

  • Die große Liebe – schon mit 17

    Jain ist noch keine 18 Jahre alt, als er am College die Liebe seines Lebens kennenlernt. Inzwischen ist er mit Geetika über ein Vierteljahrhundert verheiratet. Dabei stand der Glauben zwischen ihnen. Geetika ist Angehörige der Sikhs, einer monotheistischen Religion. Dagegen kennen die Jainas weder Gott noch Priester. Die junge Paar überwindet diesen Gegensatz und einen weiteren Schicksalsschlag ...

  • Der Auswanderer

    Anshu Jain hatte seinen amerikanischen Traum schon lange. Die freie Gesellschaft lockte ihn. Doch als Geetika mit ihrer Familie in die USA auswanderte, gab es für ihn endgültig kein Halten mehr. Jain folgte ihr stark unterstützt vom Vater, der Haus und Hof verpfänden musste. Anshu Jain zahlte ihm das Geld vom ersten Gehalt so schnell wie möglich zurück.

  • Die Kinder

    Jain hat einen Sohn und eine Tochter. Beide leben inzwischen nicht mehr zu Hause. Tochter Aranya besuchte die wohl beste Mädchenschule Großbritanniens und machte ihren Master an einer Top-Uni in den USA. Auch Arjun Jain ist auf einem guten Weg, er studiert in Princeton. Neben ist er Gitarrist in einer Rockband und fotografiert sehr gern – wie man hört noch besser als der Vater.

  • Der Menschenkenner

    Wegbegleiter schwärmen von Jains Verstand, aber noch häufiger von der emotionalen Intelligenz, die er ausstrahlt. Egal ob Familie, Seinesgleichen oder Untergebene: Jain ist bekannt für seine enorme Sensibilität. Nie würde er seine indischen Wurzeln vergessen. Jain gilt als „Kümmerer“, der für die Deutsche Bank so ziemlich alles tun würde.

  • Der Sportler

    Cricket ist bekanntermaßen Jains Lieblingssport. Er ist kein normaler Fan, er liebt den Sport fanatisch. Top-Spieler zählen zu seinen besten Freunden. Selbst in härtesten Arbeitswochen verpasst er kein Spiel des indischen Teams. Aktiv ist Cricket für Jain kaum noch zu betreiben. Er liebt Bridge und ist Golfer.

  • Der Naturliebhaber

    Jain ist ein großer Liebhaber der Wildnis. Ein Hobby, das er mit seiner Frau teilt. Sie haben bereits mehr als 60 Länder bereist, wie Georg Meck in deinem „The Deutsche“ (Campus Verlag) beschreibt. Als freie Journalistin schreibt sie über die gemeinsamen Erlebnisse. Hier erfährt die Welt zum Beispiel, wie die Jains Berggorillas suchten und die Familie in wildester Umgebung klarkommen musste. Die durchaus gefährlichen Abendteuer schweißten vier zusammen.

  • Rucksack statt Aktenkoffer

    Bitte kein Aktenkoffer: Anshu Jain ist Rucksackträger. Den schwarzen Nylonsack der US-Marke Incase soll ihn als coolen, mobil-dynamischen, unprätentiösen Typen ausweisen. So könnte er leicht „einer von uns“ sein, wäre da nicht das zweite Utensil, das Jain prägt ...

  • Der Knopf im Ohr

    ... der Knopf im Ohr. Den braucht Jain, um die Deutschen zu verstehen. Ohne Simultanübersetzer hat der gebürtige Inder hierzulande keine Chance, da mag die Amtssprache der Deutschen Bank auch schon seit langem Englisch sein. Aber Jain ist lernwillig ...

  • Sätze auf Deutsch

    ... er bemüht sich, Deutsch zu lernen. Sein erster großer Auftritt war am 12. Juni 2012 vor dem CDU-Wirtschaftsrat in Berlin. Mit 300 Vokabeln ausgestattet sagte er: „Sehr geehrte Damen und Herren, ich fühle mich sehr geehrt, heute vor ihnen zu stehen – dies ganz besonders als Co-Chef der Deutschen Bank.“ Applaus. „Ich möchte Ihnen auch herzliche Grüße meines Partners, Jürgen Fitschen, überbringen.“ Es folgten drei weitere Sätze abschließend mit der Bitte, nun ins Englische zu wechseln. Jain schaffte es am nächsten Tag auf die Titelseite der Bild-Zeitung als „Sieger des Tages“. Auf der Hauptversammlung im Mai 2013 hielt Jain dann seine komplette zehnminütige Rede auf Deutsch.

Dabei rief die Ernennung Jains, der mit Jürgen Fitschen zusammen im Juni 2012 an die Spitze der Bank rückte, noch größere Skepsis hervor. Ausgerechnet ein Investmentbanker Londoner Prägung, der nicht einmal Deutsch spricht, sollte Deutschlands größtes Geldhaus führen? Schnell war von „Anshu's Army“ die Rede, einer Horde zockender Investmentbanker, die die Macht in den Zwillingstürmen im Frankfurter Bankenviertel an sich zu reißen drohe.

So entwickelte sich zwischen Jain und den Deutschen wohl eher eine vorsichtig-vorbehaltene Beziehung. Kein Wunder: Der Manager trat ein schweres Erbe an. Das Verhältnis der Deutschen zu ihren Spitzen-Bankern war nie sonderlich entspannt. Die Vorgänger Ackermann, Kopper und Breuer fanden jeweils ihren eigenen Weg, es sich mit der Öffentlichkeit zu verscherzen.

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Rolf-E. Breuer wollte Kleinsparer in die Direktbank Bank 24 ausgliedern, Hilmar Kopper bezeichnete 50 Millionen D-Mark Schaden als Peanuts, die Handwerker durch die Pleite des Baulöwen Jürgen Schneider erlitten hatten. Josef Ackermann zeigte vor dem Auftakt des Mannesmann-Porzesses das Victory-Zeichen. Der Spaß wurde ihm schnell als Arroganz ausgelegt.

Solch gesellschaftspolitische Minenfelder wird Jain wohlwissentlich zu umschiffen suchen. Erklärtes Ziel von Jain und seinem Co-Chef Fitschen: Die Deutsche Bank wieder näher an die Menschen heranführen und damit auch das ramponierte Image einer ganzen Branche aufpolieren. „Kulturwandel“ nennt das Führungsduo dieses Unterfangen.

  • 25.01.2013, 00:00 UhrPatricia

    Wenn ich es richtig verstanden habe, stammen die Skandale der letzten Zeit (LIBOR, CO2 etc.) aus genau dem Bereich der Bank, den Herr Jain seit Jahren verantwortet. Hoffen wir, dass der von ihm und Herrn Fitschen propagierte Kulturwandel auch wirklich so gemeint ist.

  • 07.01.2013, 22:40 UhrFlashGordon

    Ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle. Einer der besten seines Faches. Nein, ich korrigiere mich; der Beste den es gibt. With all skills an Investmentbanker needs. Clever and smart. Freund, Mentor und Vorbild zugleich.

    Alles was ich bin und alles was ich kann, hab ich dort beigebracht bekommen. Good to know you personally, Anshu Superstar und Moneymaker !

  • 07.01.2013, 22:38 UhrFlashGordon

    Ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle. Einer der besten seines Faches. Nein, ich korrigiere mich; der Beste den es gibt. With all skills an Investmentbanker needs. Clever and smart. Freund, Mentor und Vorbild zugleich.

    Alles was ich bin und alles was kann, hab ich dort beigebracht bekommen. Good to know you personally, Anshu Superstar und Moneymaker.

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